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der fritz

Die Wunderpflanze | Aroniabeeren

       24. Februar 2016       

Die Apfelbeere Aronia hat einen gewöhnungsbedürftigen Geschmack, gilt jedoch als Gesundheits­ wunderwaffe und gewinnt bei den Konsumenten zunehmend an Popularität. 

Gerade mal bis zur Kniekehle reichen die Sträucher, die sich wie an der Schnur gezogen bis zum Waldrand erstrecken. Doch dabei soll es nicht bleiben. „Die werden so hoch“, sagt Jörg Kirstein und markiert mit der Hand eine Stelle knapp über seinem Kopf. Als leitender Angestellter des im Unterspreewald ansässigen Biohofs Schöneiche kümmert sich Kirstein, wie es sich für die Region gehört, um den Anbau von Gurken und Öllein. Zudem produziert der Betrieb Kürbisse, Sanddorn und Roggen.

Die nähere Zukunft allerdings, sie wird zu einem Gutteil den derzeit noch so kleinen Sträuchern gehören. Aronia melanocarpa oder Schwarze Apfelbeere, so nennen sich die Gewächse. Aus ihren herb-säuerlichen Früchtchen lässt sich Saft pressen oder Marmelade kochen. Auch als Zutat für Kuchen, Schokolade oder Soßen sind sie geeignet. Zudem genießen sie unter hiesigen Gesundheitsaposteln, Heilpraktikern und Ernährungswissenschaftlern einen zunehmend guten Ruf.

„Es erscheint wünschenswert“, heißt es etwa in einem Aufsatz der Universität Potsdam aus dem Jahr 2008, „dass die Verbreitung und Popularität von Aronia-Produkten zukünftig zu einem steigenden Konsumverhalten von gesunden Beerenfrüchten führt.“ Die Autoren berufen sich dabei auf Studien, wonach Aroniabeeren neben vielen Vitaminen und Mineralien auch eine enorme Menge an sekundären Pflanzenstoffen wie den sogenannten Anthocyanidinen enthalten. Diese Substanzen, die den Früchten ihre schwarz-blaue Farbe verleihen, spielen eine wichtige Rolle etwa bei der Vorsorge von Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen: Sie binden giftige freie Radikale, die infolge des Stoffwechsels entstehen und Körperzellen angreifen.

Den potentiellen Schatz, der sich daraus ergibt, will der Biohof Schöneiche nun heben. Mehr als 130.000 Pflanzen wurden auf 65 Hektar gepflanzt, was den Betrieb zum wohl größten Aronia- Anbaugebiet in Deutschland macht. „Der Mensch lebt nun mal nicht von Luft und Liebe“, sagt Kirstein mit Blick auf den immer schwierigeren Gurkenanbau. Die Aroniabeere ist eine Alternative, die sich unter Gesundheitsaspekten gut vermarkten lässt. Dass dies gelingen könnte, zeigt ein Blick nach Osteuropa, wo die Beere schon seit längerem eine große Nummer ist.

Zwar stammen die drei Aronia-Arten aus Nordamerika, dessen Ureinwohner sie als Konservierungsstoff und Arznei gegen Erkältungen verwendeten. Im 19. Jahrhundert jedoch gelangten die Pflanzen nach Russland, wo sie wiederum der Botaniker Iwan Mitschurin wegen ihrer Resistenz gegen Frost und Krankheiten als Kulturobst etablierte. In der Sowjetunion avancierten die Beeren schließlich zu einer Art Volksheilmittel gegen hohen Blutdruck, Vitaminmangel oder Entzündungen. Da sie zudem die Ausscheidung von radioaktivem Strontium fördern, sollen Aroniatabletten in Zeiten des Kalten Krieges angeblich sogar zur Ausrüstung der Soldaten gehört haben. Zudem kamen Präparate der Beeren bei Tschernobyl-Patienten zum Einsatz.

Dies erklärt, warum neben Russland auch andere Länder des ehemaligen Ostblocks wie die Ukraine, Bulgarien und vor allem Polen gegenwärtige Zentren der weltweiten Aronia-Produktion und -Nutzung darstellen. In der DDR gab es ebenfalls einige kleinere Anbaugebiete, vor allem in Sachsen. Die Plantagen haben sich zum Teil bis heute gehalten. Trotzdem wartet die Beere hierzulande noch immer auf den endgültigen Durchbruch, zumindest bislang. Es gebe eben nach wie vor viel Aufklärungsarbeit zu leisten, erzählt Frank Busch vom Girka Aroniateam. Seit 2002 beliefert das Gubener Aroniateam Gewerbe- und Privatkunden mit Aronia-Lebensmitteln – „als erstes deutsches Unternehmen in größerem Stil“, wie Busch nicht ohne Stolz anmerkt. Um den Bekanntheitsgrad der Beere voranzutreiben, setzen er und seine Kollegen auf Vorträge, Auftritte auf Märkten, Außendienst sowie immer neue Produktideen von der Leberpastete bis zum alkohol- freien Bier – alles mit Aronia und von Partnern in der Lausitz hergestellt. Bei der Jugend habe man zwar noch nicht punkten können, räumt Busch ein, dafür steige die Nachfrage bei der Klientel ab 40 plus: „Wir wachsen langsam, aber stetig.“

In Schöneiche hoffen Jörg Kirstein und seine Vorgesetzten auf eine ähnliche Entwicklung. Sie werden ihre Ernte nach Dresden liefern, zum Aroniateam-Mitbewerber Aronia Original. 2015 soll es erstmals so weit sein. Ob sich der Schritt allerdings gelohnt hat, werde sich erst in den Folgejahren zeigen, sagt Kirstein. „In gewisser Weise ist das für uns Neuland, und da eine Prognose aufzustellen, ist schwierig“, lässt er die Aronia-Sträucher nicht gleich gen Himmel wachsen. Mannshoch genügt ja erst einmal auch. 

Aroniateam, www.aroniateam.de 


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