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Empfehlungen

19 beste Adressen | Empfehlenswerte Restaurants

       11. April 2017       

Auf diese Adressen ist Verlass. Jeder der Köche hat eine eigene Handschrift und kocht mit Herzblut

Zeitgemäß Thailändisch

Im Kin Dee garantiert Dalad Kambhu  einen Abend voller neuer, kulinarischer Eindrücke

Robert Rieger

Von thailändischer Küche, von thailändischen Restaurants wie Berlin das bisher genossen hat, ist hier nichts zu finden. Doch! Eine Kellnerin gibt es, die den typischen Thai-Slang kultiviert und jedem Gast ein Grinsen auf das Gesicht zaubert. Aber ansonsten funktioniert  thailändisch im Kin Dee ganz anders. Dalad Kambhu legt mit ihrem Tasting-Menü einen eindrucksvollen Beweis vor. Unterstützt wird sie dabei vom Erfolgs-Trio Moritz Estermann, Stephan Landwehr, Boris Radczun. Vor rund drei Monaten haben sie Roel Lintermans als Küchenchef ins Grill Royal geholt, jetzt kocht Sauli Kemppainen im Le Petit Royal und nun eben Dalad Kambhu im Kin Dee, ehemals Edd’s Thai.

Vielleicht erinnern sich noch einige an ihr Pop-up letzten Sommer im Dottir. Diejenigen werden sich wahrscheinlich freuen, dass auch wieder ein ganzer Fisch auf den Tisch kommt, in einer kraftvoll aromatischen Sauce, die nach frisch gemörserten Kräutern, Gewürzen und Tamarinde schmeckt.

Die ambitionierte Köchin kommt zwischendurch an den Tisch und erklärt auf unaufdringliche Art, was ihre Philosophie ist und wie sie die einzelnen Gerichte zubereitet. Sie verwendet – wenn möglich – hiesige Gemüsesorten, auch wenn ein Wurzelgemüse wie Kohlrabi erst mal nicht viel mit Papaya gemein hat. Aber eingelegt schmeckt auch das gut – ist das noch thailändisch? Als kleiner Appetithappen macht er jedenfalls schon mal neugierig.

Der Glasnudelsalat versteckt unter verschiedenen Pilzen, die mal getrocknet, mal gedünstet, mal in der Pfanne kurz geschwenkt sind, entspricht schon sehr viel mehr den Erwartungen. Er ist ein Spiel mit Schärfe, Säure, den typischen Aromen der Thai-Küche. Vorsicht bei den grünen Einsprengseln, das sind sehr scharfe Chili-Stückchen. Danach kommt ein auf Rindfleisch getürmter Salat mit einer dunklen würzigen Sauce. Der Lachs als eine Art Ceviche zubereitet macht Spaß, der Schweinebauch ebenso, bei der Ente mit Massaman-Curry gewürzt könnten Diskussionen entstehen, ob das Fleisch zu durch oder genau richtig ist. Das geschmorte Lamm als Haxe kann nicht weicher sein, der Rosenkohlsalat wird schnell zum Favoriten. Einfache Dinge sind manchmal die Besten: rohe Blättchen in einer leichten Zitrussauce, dazwischen ein paar Nüsse.

Für die Weinkarte ist Moritz Estermann zuständig und dabei hält er die Balance zwischen trendigen Naturweinen und zuverlässigen Klassikern. Gerade jetzt ist es ein großes Vergnügen und eine seltene Gelegenheit dabei zu sein, an dem Prozess, in dem eine vielversprechende Ausnahmeköchin ihre Handschrift immer deutlicher zeigen wird.  (emh)

Kin Dee Lützowstraße 81, Tiergarten, Tel. 030 215 52 94, www.kindeeberlin.com, Menü 45 €, Softdrinks ab 6,50 €, Wein (0,1 l) ab 5 €, Fl. Wein ab 25 €


Teilen auf japanisch

Im neu konzipierten Izakaya ist Family Style angesagt

Einfach einen Stempel drauf und schon heißt es Izakaya. So einfach war es selbstverständlich nicht, im Sra Bua by Tim Raue ein neues, ein zweites Konzept zu etablieren. Stefan Grill, Restaurantleiter und Daniel Lengsfeld, Küchenchef, haben schon etwas länger an der Idee getüftelt. Entstanden ist daraus das Izakaya. Jetzt können die Gäste im vorderen Teil, also zur Straßenseite, in verschiedenen Séparées  Platz nehmen und viele japanisch und asiatisch inspirierte Kleinigkeiten verspeisen. Ähnlich wie in einer in Japan üblichen „Schenke“, so die Übersetzung von Izakaya – als Gaststätte würde man das vielleicht übersetzen.

Unter dem Motto „den Tisch mit Köstlichkeiten füllen“ ist dieser auch schnell mit kleinen Tellern und Schalen bestückt. Stäbchen werden gezückt und los geht es mit dem Som Tam, dem recht würzigen Salat aus Karotten und grüner Papaya, dazu die Gurkenscheiben mit Pfeffer und Chili, dann wird das Lachs-Sashimi mit Wassermelone und Ponzu probiert, das Rindertatar, die Chicken Wings. Die sind wunderbar aromatisch, aber es ist nicht jederfrau oder jedermanns Sache an einem Knöchelchen zu nagen. Dafür sind die Chili-Bratwürstchen mit Hot Banana Sauce einfach, aber richtig gut. Genauso wie das grüne Curry mit dem Fang des Tages, das ist an diesem Abend der Kabeljau.

Einfach ist die Speisekarte und Getränkekarte, je eine Seite in einem Klemmbrett. Unkompliziert auch die Getränkeauswahl, da das Team um Stefan Grill einen legeren, sowie kompetenten Job macht. Die Crew an der offenen Barküche ist ebenso souverän am Arbeiten. Das neue Konzept der beiden Gastronomie-Profis Grill und Lengsfeld scheint aufzugehen. Während des Abends füllt sich das Izakaya genauso wie das Sra Bua und die Sochu Bar mit zahlreichen Gästen. Das war schon mal anders.

Übrigens, dass keine Missverständnisse entstehen: Im Sra Bua by Tim Raue garantiert Lengsfeld weiterhin eine andere, eine hohe Qualität der Kochkunst. Das Izakaya offeriert eher einfaches, aber feines Bar Food.  (emh)

Izakaya im Sra Bua by Tim Raue, Behrenstraße 72, Mitte, Tel. 030 22 61 15 90, www.kempinski.com, Speisen 4 bis 18 €, verschiedene Kleinigkeiten
für 38 € (klein), 46 € (Medium), 58 € (All In)


Clubraum für alle

Frühsammers heißt jetzt nicht nur Gourmetküche. Im Bistro Grundschlag steht die Tür für jeden weit offen

Die Frühsammers machen es richtig. Denn feine Küche heißt längst nicht mehr nur exklusive Haute Cuisine. Neben dem Gourmet-Restaurant bietet das Ehepaar Frühsammer in einem beeindruckend einfachen, aber wohldurchdachten Raum „Alltagsküche“. Peter Frühsammer, einst Berlins kulinarischer Vorreiter und Sternekoch, legt großen Wert auf die Basis des Handwerks des Kochens. So heißt das vor ein paar Tagen eröffnete Bistro Grundschlag. Der ist beim Tennis überhaupt die Vorraussetzung, um ins Spiel zu kommen.

Das also ist die Anspielung auf den Tennisclub, in dessen Vereinsgebäude die Restaurants existieren, und gleichzeitig der Hinweis auf handwerklich solide ausgerichtete Küche.
So einfach, so anspruchsvoll! Der ehemalige Clubraum wurde geöffnet und renoviert. Dadurch erscheint alles etwas größer und luftiger. Im Grundschlag, dem Ort für „eine unkomplizierte Einkehr“ sitzen die Clubmitglieder, Gäste aus der Nachbarschaft sowie Geschäftsleute an einfachen Holztischen beim Mittagessen – oder abends zum gemütlichen Dinner. Es gibt meistens vier Vorspeisen, vier Zwischengerichte, vier Hauptgerichte , vier Desserts.

Der Rettichsalat mit Avocado, Kumquats und Haselnuss macht an diesem Mittag den Anfang. Er sieht überschaubar aus, aber Sonja Frühsammers Kochkunst liegt im Detail. Schmeichlerisch die Avocadocreme im Aromenspiel mit dem Kumquatmouse und knusprig die Haselnuss – alles in einem Salat. Das macht schon mal Lust auf mehr. Fregola Sarda mit Schweinebauch vom Iberico und Zwiebel ist der Zwischengang. Die sogenannte Urform der Pasta ist schön buttrig als eine Art Risotto zubereitet und ein in der Zwiebelhaut separat angerichteter Parmesanschaum liebkost die Nudeln. Beim Schweinebauch vom Iberico gibt es nicht viel zu sagen, der ist rundum gelungen. Das Tüpfelchen auf dem i ist ein eher unscheinbarer Marmeladenklecks aus dem Saft und Schale von Limette, Chili, Soja, Teriyaki, Knoblauch, Apfelsaft.

Eigentlich ist das schon genug, zum einen als Beweis der Kochkunst, zum anderen für ein Mittagsmenü. Doch Peter Frühsammer ist der typische Gastgeber, wie jeder ihn kennt, er hat die Folgen seines Unfalls endlich überstanden. Und so sagt niemand nein zu seiner Empfehlung des Kabeljaus mit Ochsenmaulvinaigrette und Liebstöckelbohnen. Ein Gericht wie aus dem Grundkurs für nordische Küche. Ein bisschen süddeutsche Heimat spielt dabei auch mit rein.

Eine Flasche Wein von Frühsammers Fass, ein Grauburgunder vom Weingut Klostermühle steht auf dem Tisch, die zu Dritt schnell geleert ist. Anders als im Gourmetrestaurant offeriert der ursprüngliche Badenser Frühsammer ungefähr acht offene Weine, die auch als „Achtele“ oder „Viertele“ serviert werden. Zum Abschluss ein Dessert? An der Schokoknusperschnitte mit Passionsfrucht und Tonkabohneneis kommt wohl auch kaum einer vorbei. Einfach, richtig, gut.  (emh)

Grundschlag Flinsberger Platz 8, Schmargendorf, Tel. 030 89 73 86 28, www.fruehsammers.de, Mo ab 17 Uhr, Di-Sa ab 12 Uhr, Speisen von 7,50 bis 16,50 €, Getränke ab 2 €;
Sonja Frühsammers Gourmetküche  Mi-Sa ab 18.30 Uhr

Detailverliebt

Versteckt im Hinterhof in Mitte verwöhnt das Heimlich Treu seine Gäste

Heimlich ist das Restaurant auf jeden Fall. Am Eingang zu den Hinter­höfen hängt ein Schilderwald, aber weit und breit keines, das auf das Restaurant hinweist. Aber das ist gewollt von den Freunden und Geschäftsführern Mike Krause und Nikolai Coerper. Sie haben nach viel schweißtreibender Arbeit, das Heimlich Treu eröffnet.

Ihr Wunsch war es, einen gemüt­lichen Ort zu schaffen, an dem das Essen in die Mitte des Tisches gestellt wird und Freunde miteinander teilen und Neues probieren. Das ist ihnen gelungen. Mittags funktioniert das etwas anders. Da bekommt jeder Gast  seine drei oder vier Gänge gleichzeitig auf den Tisch. Abends funktioniert das nach Menüfolge.
Und so kommt der frittierte Pulpo mit einer Emulsion der spanischen Wurst Chorizo und kleinen schwarzen Tropfen aus fermentiertem schwarzen Knoblauch als Vorspeise auf den Tisch. Zum Hauptgang wählt jeder Gast selbst seine Beilage aus. Zu zartem Hirschfleisch, übergossen mit Beerensauce und drapierten schwarzen Walnüssen und Waldbeeren passt die Beilage Kohl, Kohl, Kohl. Das ist kein Schreibfehler, es handelt sich dabei um drei Arten des Gemüses, in unterschiedlicher Weise zubereitet.

Neben den fein harmonierenden Aromen der Kulinarik, steckt auch sonst, wohin man blickt, viel Liebe zum Detail. Das beginnt direkt neben dem Teller. Krause sammelt alte Silbergabeln mit den abstraktesten Formen und wunderschönen Verzierungen. Auch das große, gelbe Gemälde fällt auf. Darin versteckt, steht der Begriff „Heimlich Treu“. Dazu ist es achteckig. Wie es zu dieser ungewöhnlichen Form kam? Rechteckig kam Krause zu langweilig vor und baute frei nach eigener Vostellung einen Holzrahmen. Von der neuen Form war auch die Künstlerin überrascht und musste kurzfristig ihr Bild anpassen. Zuletzt waren aber alle glücklich. Ein achteckiges Gemälde – das hat noch kein Restaurant an der Wand hängen!

Diese und viele andere Geschichten erzählt die Crew gerne. Dass alle im Heimlich Treu sich mit einbringen sollen, begann schon beim Aufbau, bei dem auch die Köche mitgearbeitet haben. Sie bauten die Holztische zusammen und beobachten nun genau, ob die Gäste die Tische gut behandeln.  (sms)

Heimlich Treu Anklamer Straße 38, 2. Innenhof, Mitte, Tel. 030 48 49 45 99, www.heimlichtreu.de, Hauptgericht mit Beilage 15 bis 34 €, Getränke 2,50 € bis 7 €


Er kocht wieder!

Richwater & Mitchell machen Moabit um ein kulinarisches Highlight reicher

Anton kocht. Das war für jeden Berliner Foodie 2014 Pflichtprogramm. Anton Michel war gerade mal 22 Jahre jung und eröffnete nach seiner dreijährigen Lehrzeit im Vau und einem weiteren Jahr im Restaurant Tim Raue sein erstes Pop-up-Restaurant. Hier enstaubte Anton vier Monate lang deutsche Küche und punktete mit außergewöhnlicher Weinkarte. Antons Vater ist stadtbekannter Weinhändler.

Anton hat noch eine andere Seite. Seine Mutter ist nämlich Britin, Anton lebte einen Großteil seiner Kindheit in England. Gerade hat er seine Ausbildung als Sommelier abgeschlossen, und will nun den Berlinern, die neue Londoner Küche nahebringen.

In Moabit, nur wenige Meter vom Weingeschäft des Vaters entfernt, wurde die dekorative Ziegelwand mit dunklem Graugrün übertüncht und mit roten Vorhängen, rustikalen Holzstühlen und weiß eingedeckten Tischen ein gemütliches Restaurant geschaffen.

Mit dem Aperitif geht es jedoch zunächst nach Cornwall. Ein knackig frischer Schaumwein bildet einen leichten Auftakt. Dazu werden Snacks serviert: Die knusprige Schweineschwarte und Mixed Pickles überzeugen, bei den Salbeiblättern im Tempuramantel fehlt die intensive Aromatik der Blätter.

Es geht weiter mit einer Auswahl an warmen Gerichten wie den Scotch Eggs. Das Ei im panierten Fleischmantel ist ein englischer Klassiker, gut gewürzt und hat Suchtpotential. Gelungen ist auch die Kombination von edlem Steinbutt mit cremigem Cole Slaw, hier darf man sich von der einfachen Anrichteweise nicht täuschen lassen. In der Kategorie „Hot“ erwarten den Gast dann Gerichte für den größeren Hunger. Sehr zu empfehlen ist das Chicken Kiev, das Dank einer Kräuterbutter-Füllung saftig und zart auf den Tisch kommt, der buttrige Kartoffelstampf und die grünen Erbsen gehören zum britischen Essen einfach dazu.

Eine Überraschung ist der gegrillte Knurrhahn. Die Tomatensauce mit feinen indischen Aromen ergänzt den auf den Punkt gegarten Fisch. Die dreifach gegarten Pommes mit Tartare Sauce bleiben nur nebulös in Erinnerung.

Anschließend auf ein Dessert zu verzichten, ist nahezu sträflich. Die Tarte mit karamellisierter Melasse schmeckt malzig, nicht zu süß, ist wunderbar cremig und schneller aufgegessen als man denkt. Lediglich das dazu gereichte Vanilleeis ist unerheblich.
An der Weinauswahl wird noch gearbeitet. Die ganz praktische Frage der Lagerung hindert das Team gerade daran, sie so umfangreich zu gestalten, wie man es sich vorgenommen hat.  (al)

Richwater & Mitchell, Wiclefstraße 30, Moabit, Tel. 030 39 83 40 99, www.richwatermitchell.de, Kleinigkeiten ab 2 €, kalte Speisen ab 8 €, warme Speisen ab 6 €, Getränke ab 3,50 €



Gegen den Strom

Das Riva Fish & Wine hat sich auf Fisch spezialisiert und präsentiert gehobene italienische Küche

„Der Name Riva ist inspiriert vom Hersteller der gleichnamigen Boote, es ist frisch und elegant“, erklärt Chef Girolamo Messina. Die Riva-Motorboote waren besonders in den 50er Jahren ein Symbol von gehobenem Luxus, ausschweifender Lebensfreude sowie modernen Designs. Diese Beschreibung passt perfekt auf das Restaurant. Auch die Bedeutung des italienischen Wortes Riva – Küste – nahm Messina wörtlich und lies die Innenwand in geschwungener Küstenform bauen.

Messina selbst ist ein Chefkoch, der sich am liebsten dezent im Hintergrund hält und in der Küche seine Gerichte kreiert. Gerne kommt er aber auch zum Tisch und erklärt strahlend was er sich ausgedacht hat. Sein Wunsch ist, traditionelle italienische Gerichte neu zu erfinden. Wie zum Beispiel die Schwertfisch Caponata. Ein typisch sizilianisches Essen mit gewürfelten Auberginen und Tomaten als Grundlage. Dazu kommen Oliven, Zwiebeln, Sellerie, Knoblauch und Mandeln. Für den süßsauren Geschmack wird alles karamellisiert und mit Essig abgelöscht. Messina fügt Schwertfisch hinzu und überpudert den Teller mit Kakao.

Aber der Chef zaubert auch ganz eigene Kreationen. Wie seine Crudo al Taglio: „Es ist ein mediterranes Sashimi“, erklärt Messina. Also roher Fisch in Scheiben. Zum Beispiel angerichtet mit grünen Tomaten, Salicornia – Meeresspargel, garniert mit fritierten Kapern und roten Pfefferkörnern. Anbei Rote Bete Kresse und ein Streifen des hausgemachten Senfs.

Die Gerichte überraschen vom ersten Bissen an mit außergewöhnlichen Aromen und absoluter Frische. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass es im Riva Fish & Wine keine Tiefkühltruhe gibt und alles auf den Punkt zubereitet wird. Das benötigt seine Zeit.

Einige Gäste kommen abends auch nur auf ein Glas Wein und ein Dessert vorbei. Vor allem die Cannoli Siciliani sind sehr zu empfehlen. Eine frittierte Teigrolle gefüllt mit herber Ricottacreme, darüber geraspelter dunkler Schokolade und weißer Pistazie.  (sms)

Riva Fish & Wine Rosenthaler Straße 3, Mitte, Tel. 030 28 09 87 65, Mo-So 12-0 Uhr, Vorspeisen 4 bis 6 €, Hauptgerichte 9 bis 30 €, Desserts 7 €

Vielfältige Klarheit

Das Team im Mrs Robinson’s bringt Elemente der asiatischen, amerikanischen wie europäischen Küche zusammen

Im Augenblick eröffnen immer mehr asiatische Restaurants oder zumindest asiatisch inspirierte Konzepte finden in der Hauptstadt großen Anklang. Ein Beispiel ist das Mrs Robinson’s, ein eher überschaubares Restaurant, das von der Inneneinrichtung eher dem nordischen Stil verschrieben ist. Weiß getünchte Wände, helle schlichte Holztische und Hocker sowie ein maßgefertigtes Service-Regal. Die Plätze am Tresen ermöglichen beste Aussicht auf die Handfertigkeiten des Küchenteams. Dort wird Fusion-Küche zubereitet, indem eine Hommage an asiatische Aromen auf Elemente der amerikanischen und europäischen Küche trifft.

Inspiriert wurden die Gründer, die Designerinnen Thirzie Hull und Samina Raza sowie Küchenchef Ben Zviel, bei einem kulinarischen Trip nach London. Ein halbes Jahr später nehmen die Idee und das Konzept Form an. Auch die Speisekarte ist eher überschaubar, aber vielseitig. Das Prinzip der Shared Dishes macht es möglich vieles davon zu probieren. Zum Start überzeugt der Salat vom gerösteten Rosenkohl, angemacht mit einem thailändischen Dressing, mit Kräutern wie Koriander und Minze und einem üppigen Pinienkern-Topping. Selten kommt Rosenkohl so frisch und aromatisch daher. Dem Carpaccio vom Beef fehlt dagegen die Feinheit, es ist dick geschnitten und ertrinkt in Olivenöl, mit großzügig portioniertem Rucola fällt dieses Gericht unter die Kategorie durchschnittlich.

Der vom Service empfohlene gebratene Seidentofu ist dagegen wieder eine positive Überraschung. Dabei dominiert die dezente Schärfe von Szechuan-Pfeffer und knusprigem Knoblauch, aromatische Kräuter geben wie schon beim Rosenkohl eine angenehme Leichtigkeit. Die Dumplings, die mit kräftigem Ochsenschwanz-Ragout gefüllt und mit Enoki-Pilzen und Thaibasilikum angerichtet, sind als Hauptgang tadellos. Am Ende muss es dann noch ein Bun Bao mit Buttermilk Chicken sein. Das Hühnchen ist wunderbar saftig, die Panade knusprig. Die feine Schärfe der Mayonnaise und eingelegtes saures Gemüse runden das Gericht ab.

Spaß macht auch der Service. Samina Raza ist vor einigen Monaten aus London nach Berlin gezogen. Sie spricht schon jetzt fließend Deutsch mit ihren Gästen und ist für die Weinkarte zuständig, die nach und nach wächst. Aktuell stehen ein Crémant, ein Riesling und zwei Rotweine auf der Karte. Doch im Mrs Robinson’s steckt noch viel Potential.(al)

Mrs Robinson’s Pappelallee 29, Prenzlauer Berg, Tel. 030 54 62 28 39, www.mrsrobinsons.de, Mo-So 18-0 Uhr, Vorspeisen ab 6 €, Buns ab 10 €, Specials ab 12 €, Getränke ab 3,50 €


Von Du-Bu, Ssam-Bab und Makgeolli

Ein Ehepaar aus Südkorea hat sich in die Stadt Berlin verliebt und das Restaurant Maru eröffnet

„Ich bin schon das zweite Mal hier“, die junge Frau am Nachbartisch beweist damit ihre Freude über das gute Essen. Dennoch lässt sich von dort ein Raunen vernehmen, als die Etagere mit den verschiedenen Reishappen serviert wird. Das hatte der Nebentisch nämlich noch nicht. Ssam-Bap nennen sich die kleinen Bällchen, die mit eingelegtem, geraspeltem Gemüse, Seetang und Tofu getoppt sind. Dazu kommen noch kleine Schälchen mit Brokkoli, Kim Chi, winzige Weißkohlrouladen und anderen eingelegtem Gemüse. Das macht optisch was her.

Neugier ist eine Vorraussetzung. Wer das Maru besucht, benötigt kein Stilbewusstsein und muss Lust auf Entdeckungen haben. Dann kann bei dieser südkoreanischer Küche nichts schief gehen. Es gibt auch kein Halten bei der Bestellung der Getränke. Makgeolli lautet die Order, und es landet eine Art Wasserkessel mit Schälchen auf dem Tisch. So wird also der für Korea typische gegorener Reissaft serviert. Das schlürft sich einfach mal so weg, ist nicht besonders eindrucksvoll, aber tatsächlich Alkohol.

Hae-Mul-Den-Jang-Gug ist ein Eintopf mit Meeresfrüchten, eine Art koreanische Boullabaise mit Miesmuscheln, Taschenkrebs, Garnelen, Kabeljau und Rettich. Du-Bu ist Tofu, und den gibt es in ungewöhnlich vielen Variationen. Gegrillt mit Kim Chi ist die Schärfe und das Raucharoma ausbalanciert. Dann noch der Frühlings-Zwiebel-Pfannkuchen, der lässt sich mit Stäbchen etwas schwierig essen, ist aber knusprig und süßlich scharf – und das Abendessen für Zwei ist perfekt.

Selbstverständlich stehen auch die Klassiker auf der Karte wie Bulgogi, Bibimbap oder Chicken Teriyaki. Koreanisch ist keine einfache Sprache. Die Gerichte sind deshalb nummeriert, so dass die Verständigung mit den Inhabern leichter fällt. Denn die beiden lernen gerade Deutsch. Was der zuvorkommenden Höflichkeit ihres Services als auch der Kochkunst keinen Abbruch tut.  (emh)

Maru Rigaer Straße 74, Friedrichshain, Tel. 030 26 54 56 52, Speisen von 4,50 € bis 13,90 €, Getränke ab 2,50 € bis 25,50 € (Flasche Wein)


Feinster Freistil

Mexikanisches Streetfood erobert die Hauptstadt. Lucha Libre startet in einem Kleinbus in der Moabiter Arminiushalle

Zwar heißt das neue Marktrestaurant Lucha Libre. Es wäre aber übertrieben, zu behaupten, dass die Handhabung der Tacos einem mexikanischen Freistilringkampf ähneln würde. Das ist zwar nicht ganz einfach, die gefüllten Maisfladen in den Mund zu bekommen, aber es ist nur eine Kleckerei und keine spektakuläre Klotzerei. Die Tacos sind aber tatsächlich der Hammer, wie man wohl in der Wrestling-Sprache etwas Eindrucksvolles bezeichnet.

Die Tortillas, also Maisfladen, bereitet der liebenswerte peruanische Koch Eduardo Blanco Huanca aus schwarzem Mais zu. Der schmeckt eigenwilliger als der gelbe. Huanca ist auch derjenige, der einem den Glauben an guter mexikanischer Küche zurückbringt. Die Dips alleine schon, die zu den frittierten Avocados gereicht werden, ist eine rauchig scharfe Variante von Mayonnaise und eine Salsa aus Tomaten, Zwiebeln und Kräutern. Da wird der letzte Rest aus den umweltfreundlichen Schälchen gefingert.

Die Tacos sind mit dem, was in der Hauptstadt angeboten wird, nicht zu vergleichen. Wie nach der letzten Guide-Michelin-Sterne-Vergabe bekannt ist, kann Streetfood mittlerweile auch Sterneküche sein. Chan Hon Meng mit seiner Straßenküche in Singapur hat einen erhalten. Das ist vielleicht jetzt noch zu früh und hoch gegriffen, kann aber mit Lucha Libre was werden. Tacos gibt es mit Schweinebauch, mit Pulpo, mit Rinderbrust und Buttermakrele – alle sind überraschend professionell zu bereitet und gewürzt. Der Koch spielt souverän mit Schärfe, Süße, Säure, mit unterschiedlichen Texturen – ein fein komponierter mexikanischer Tanz der Geschmäcker.

Mit dabei in der einen Ecke von der Arminiushalle, neben dem ausgeschlachteten alten VW-Bulli, der als Küche dient, eine dezent arrangierte Bar. Bartenderin Regina Birchwell steht den Kochkünsten von Huanca in nichts nach. Sie rührt klassische Cocktails wie Pina Colada zu einem Pina Madre. Da ist das Original noch zu erkennen, aber hat eine leichtere Süße und einen feineren Alkohol. Genauso die Margherita, die sowohl in klassischer Weise gemixt oder als Sour Cherry als auch als Tamarind Margherita serviert wird. Alle sind zu empfehlen, aber nicht an einem Abend. Die Cocktails haben es in sich.

Die Macher von Lucha Libre, Lisa Meyer und Robert Havemann, sind mittlerweile als Aufsteiger 2016 mit ihrem elsässischen Restaurant Rosa Lisbert bekannt. Sie waren in Mexiko auf Recherche, um beste mexikanische Küche zu finden. Und die nach Berlin zu bringen, das haben sie gemeinsam mit dem Koch und der Bartenderin geschafft.  (emh)

Lucha Libre Arminiushalle, Arminiusstraße 2-4, Wedding, Tel. 0152 21 98 29 23, www.luchalibre-berlin.de, geöffnet ab 17 Uhr, samstags ab 14 Uhr, Speisen 2,50 € bis 8 €, Getränke 3,50 € bis 8 €


Weit weg und doch ganz nah

Internationale Gerichte und Fine dining auf hohem Niveau und bezahlbar? Das geht tatsächlich – im Panama

Der Name allein schon verspricht Weltläufigkeit. Ein Sehnsuchtsort, so beschreibt Ludwig Cramer-Klett die neue Adresse in der Potsdamer Straße. Die Inneneinrichtung zitiert karibische Leichtigkeit, ein bisschen Kolonialstil dazwischen, ein paar heimatliche Accessoires und zeitgenössische Kunst – weit weg und doch ganz nah. Im Erdgeschoss an der Bar wird der Gast leger in Empfang genommen, er kann an der Bar erst mal einen Drink nehmen oder auf den Sesseln mit Freunden Kleinigkeiten dazu probieren.

Im ersten Stock geht es ums Essen. Dort steht auch Sophia Rudolph in der offene Küche und arbeitet mit großer Konzentration und Präzision mit ihrem Team an den kleineren, mittleren und größeren Gerichten. Shared dishes, so nennt sich das Prinzip. Und so kommen zum Beispiel von der Kategorie „Kleinigkeiten“ die Panama-Empandas mit Sesam Ponzu auf den Tisch, dann von „Rohes“ das Tatar von Richards Reh. Scheinen die Empanadas im ersten Moment etwas klein geraten zu sein, sind sie ein eindrucksvoller Einstieg in die Kochkunst und zeigen die Handschrift Rudolphs. Bei dem Tatar mit eingelegten Shiitake, Johannisbeere und Nigella wird das deutlich bewiesen. Regionalität gepaart mit Internationalität. Die Küchenchefin sorgt jedenfalls für neue geschmackliche Erlebnisse.

Der warme Spinatsalat mit fermentierten Schalotten und Tahini sowie die Radieschen mit Buttermilch und geräucherten Nüssen – unter dem Motto „Blätter und Blüten“ zu finden – sind überraschende Zwischengänge. Mit einer leichten Bitternote, gepaart mit dem süßlichem Aroma der Zwiebeln, dann die knusprigen Nüsse, kombiniert mit der Textur von Radieschen und Buttermilch, so wird profanes Gemüse zu einem Hochgenuss. Und so geht es weiter. Die Kartoffeln aus dem Feuer mit Salzhering und iberischem Schinken sind ein Spiel mit starken Aromen. Die Küche schickt zusätzlich eine gebrannte Auberginencreme mit Ziegenkäse und Wassermelone – letztere hebt die kräftige Creme und den deftigen Ziegenkäse in fruchtige Leichtigkeit. Der Hauptgang, die gegrillte Rinderschulter ist butterweich – mit Paprika und Kaffir-Limette erfüllt auch sie die geschürten Erwartungen.

Nur das Dessert ist gewöhnungsbedürftig. Zumindest der Kopfsalat mit Passionsfrucht, dunkler Schokolade und Koriandersaat sorgt für unterschiedliche Reaktionen. Ob vielleicht die Rauchpaprika mit geflämmtem Marshmellow und Kaffee-Karamell eingängiger ist?
Die Gäste sollten sich auf jeden Fall auf neue Geschmackserlebnisse einlassen. Dann ist eine Reise in die weite Welt, jedenfalls kulinarisch, garantiert. Und auf die Reisebegleiter, wie zum Beispiel auf den Sommelier, kann man sich verlassen. Der macht sehr gute Vorschläge und bietet angemessene Alternativen zu eingefahrenen Trinkgewohnheiten. (emh)

Panama Potsdamer Straße 91, Tiergarten, Tel. 030 983208435, www.oh-panama.com, Speisen von 7 bis 22 €


Wo Raue draufsteht, ist Raue drin

Nun also eine französische Brasserie. Tim Raue hat mit der Brasserie Colette eine Adresse im alten Westen etabliert

Es ist der Name, der Qualität garantiert – und das mittlerweile weltweit. Tim Raues Restaurantkonzepte gehen immer erfolgreich auf. Und so auch bei der Brasserie Colette. Das sind und werden gleich drei Standorte, einmal in Berlin, dann noch in München und in Konstanz. Immer in der Altersresidenz Tertianum. Doch das spielt eher eine Nebenrolle. Tim Raue selbst spielt in der Küche des Restaurants Tim Raue leibhaftig die Hauptrolle. Und sonst ist er wohl derzeit Weltreisender und überall und nirgendwo anzutreffen und hat gerade in New York mit Marie-Anne Raue den 34. Platz unter den 50 besten Restaurants der Welt gefeiert.

Nun also Colette. Die Inneneinrichtung ist angenehm großstädtisch und großzügig. Privatgespräche sind durchaus möglich, und nur eine größere Tischrunde nebenan lässt sich ab und zu etwas lauter über die Speisen aus. Übrigens entsprechen die Damen und Herren dem Klischee der bessergestellten Pensionäre. So seinen Ruhestand zu genießen – wer möchte das nicht? Beim Blick durch die großen Fenster fallen die Passanten und deren Mengen an KaDeWe-Tüten auf. Alter Westen eben.

Neue Sitten gleich zu Beginn: das Couvert. Das bedeutet im ursprünglichen Sinne Tischgedeck und im Colette kommt das in Form von Brot, eingelegtem Gemüse, Beurre au citron, ail und Oliven für drei Euro auf den Tisch. Es schmeckt nach mehr. Und es wird ohne irgendwelche Zuckungen nachgelegt. Die Austern mit Sauce Verte aigre-doux – dazu gibt es nur so viel zu sagen, dass wir unendlich viel davon hätten schlürfen wollen. Der Salat Nizza erscheint im ersten Moment etwas teuer. Ist aber eine Raue-Dekonstruktion des französischen Klassikers und es liegt neben oder auch unter Salat und Sardellenmayonnaise eine ordentliche Reihe Thunfisch-Sashimi auf dem Teller. Kalbskopf-Ravigote als Vorspeise ist eine neue Erfahrung, aber eben mit dem typischem Subton des Berliner Zwei-Sternekochs.

Die Hauptgänge sind das, was eine Brasserie ausmacht. Sie sind so bemessen, dass sie den größeren Hunger stillen. Ein schönes Stück Kabeljau schwimmt auf einer cremigen Vinaigrette aus Selleriepüree, Kapern und Estragon – und der Raue-typische scharfe Unterton kommt dabei voll zur Geltung. Das Huhn unter der Teighaube war ein mit Blätterteig umwickeltes Filet mit Trüffel, Haselnüssen und Topinambur.

Als Desserts macht Crepe Colette was her, von der salzigen Karamellbutter bleibt aber auch gar nichts auf dem Teller übrig. Da kommen sogar die Finger ins Spiel. Ebenso bei der Tarte au Citron. Ein Törtchen mit vielen Baiser-Tupfen obenauf.

An der Brasserie Colette gibt es nichts zu mäkeln. Es ist eben Raue und seine Kochkunst, die Steve Karlsch als kulinarischer Direktor für alle drei Standorte und Dominik Obermeier als Küchenchef in Berlin hervorragend umsetzt. Wer typische französische Brasserie-Küche erwartet, sei also vorgewarnt. Patricia Hilscher, als temporäre Supervisorin, und Restaurantleiterin Bianca Zedler machen ihren Job sehr gut. Und wer glaubt, nur rich rich people können sich das leisten? Auch preisbewusste Gäste haben hier ihren Spaß, zum Beispiel beim Menu du Petit Déjeuner, das mit 18 Euro für zwei Gängen anfängt.  (emh)

Brasserie Colette Passauer Straße 5–7, Schöneberg, Tel. 030 21 99 21 74, www.brasseriecolette.de/#berlin, Speisen von 6 bis 28 €, Flasche Wein ab 24 €


Berlin liegt am Meer

Täglich kommt der Fisch aus Bremerhaven in die Mohren­straße, in das Das Restaurant Seaside

Dieses neueröffnete Fischrestaurant ist mit keinem in Berlin vergleichbar. Endlich hat die Hauptstadt ein Fischrestaurant, das sie verdient. Und es hat so gar nichts mit dem zu tun, was man hier landläufig unter Fischrestaurant versteht. Deshalb benötigt es beim ersten Besuch vielleicht auch etwas Unterstützung des Service-Teams, dass in der Mittagszeit schon mal die schnelle Gangart einlegen muss und nicht immer gleich parat steht. 

Aber eigentlich ist es ganz einfach. Am Eingang hängen die Speisekarten, da kann sich jeder schon mal schlau machen. Dann am Tresen, in der Vitrine und auf Eis, liegt er, der frische Zander, die frische Makrele, die Felchen, die Austern, die Lachsforelle, der Hummer. Alles überschaubar, auch wenn die Aufzählung anderes assoziiert. Der Fisch der Wahl kommt auf eine Platte, wird gegrillt, gebraten oder sous vide gegart, dazu wahlweise verschiedene Beilagen. Ist die Bestellung aufgenommen, gibt es einen Zettel mit einer Nummer, die wiederum der Service beim Bestellen der Getränke mitnimmt und das Gewünschte recht zügig serviert.

Ist das erledigt, geht es zur Sache. Der gewählte Fisch, die Lachforelle, kommt genau richtig gegrillt auf den Tisch. Und auch beim Zander ist alles gut. Die Haut knusprig-krachig, der Fisch glasig-aromatisch gegart. Das hauseigene Algensalz, zwei Dips, ein Petersilienöl und eine Kaviarjoghurt-Creme, sind obligatorisch – so auch die Kenntnis des Gastes, einen Fisch zu filetieren. Denn es kommen Felchen oder Makrele im Ganzen auf den Teller. Die Austern, mit Spinat und Hollandaise gratiniert, schmecken dezent nach Meer, das Brot sollte unbedingt in die restliche Sauce getunkt werden. Es gibt klassische, zeitgemäße Beilagen, also auch Süßkartoffel-Pommes und Urkarotte – und letztere nicht verkocht.

Die vier Betreiber haben jedes Detail genauestens überlegt. Und alle mussten damit einverstanden sein, was, nach eigenen Angaben, nicht immer einfach war. Adrian Alexander Niklas Budack und Krisztian Istvan Soha sind die Geschäftsführer, Denise Budack ist für die PR zuständig und Zsuzsanna Toth für die eigene Produktlinie und deren Entwicklung. Wichtig ist allen Vieren, dass die Gäste eine Atmosphäre genießen, als ob gleich um die Ecke das Meer sei, und zwar eher das nördliche. Denn mit Mittelmeerküche hat das Seaside wenig zu tun. Demzufolge gibt es auch für Eilige die klassischen Fish & Chips zum Mitnehmen. Und wer seine Ruhe haben will, für den ist nach 14 Uhr die ideale Lunchzeit, oder der Abend zu empfehlen.  (emh)

Seaside Mohrenstraße 17, Mitte, Tel. 030 20 91 73 54, www.seaside-fish.com, Fisch von 4 bis 35 €

Der erste seiner Art

Dass Berliner mit Burgern doch noch aus der Reserve zu locken sind, zeigt das Langosch Wine & Food im erwachsenen Friedrichshain

In der europäischen Burger-Hauptstadt sprießt jede Woche ein neuer Burgerladen hervor, der bei Berlinern eher müdes Lächeln hervorruft als Euphorie. Vom klassischen amerikanischen Burger bis hin zu den asiatischen Varianten mit gedämpftem Hefekloß statt einfachem Brötchen hat man sich in Berlin gefühlt bereits einmal quer durch die Welt gefuttert. Doch irgendwo zwischen Berlin und Asien liegt Ungarn, das mit seinen Langosch oder Lángos, speziellen in Fett ausgebackenen Hefeteigfladen, schon vor Jahren die Herzen der Berliner Weihnachtsmarktgänger erobert hat.

In Restaurants in der Hauptstadt findet man die ungarische Spezialität äußerst selten, was aber seit Anfang Juni auch egal ist, denn seit der Eröffnung des Langosch Wine & Food braucht man keine andere Adresse mehr für seine regelmäßige Portion Langosch. Und als ob das nicht schon reichen könnte, setzt Inhaber Martin Schlaffer, der übrigens aus der Slowakei kommt, wo die ungarische Spezialität extrem beliebt ist, gemeinsam mit seinem Team noch einen oben drauf. Sie machen aus den Teigfladen Burger, die jeden selbsternannten Burgerkenner aus den Socken hauen werden. Denn das hat noch keiner gegessen!

Okay, das stimmt nicht ganz. Denn in New York gibt es das tatsächlich schon, in Berlin aber ist es der erste Laden seiner Art. Die Burger gibt es in dem Lokal am Petersburger Park in vier Varianten: Prime Beef, Prime Beef mit Cheddar, Prime Beef mit Cheddar und Bacon sowie Veggie mit Linsen und Quinoa – alles serviert mit Tomate, Salat, Gurke, Zwiebeln und selbstgemachten Pommes. Letztere kommen auf einer Schiefertafel mit zwei Saucen, der Rest steckt im Langosch-Teigmantel und überzeugt zunächst mal optisch, nach dem ersten Bissen auch geschmacklich auf ganzer Linie. Dazu trinkt man am besten eine hausgemachte Holunderlimonade oder Wein. Zur Auswahl stehen etwa 70 verschiedene Varianten aus Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich. Neben den besonderen Burgern gibt es aber auch klassische Langosch, modern belegt, mit z.B. geräuchertem Lachs, Kapern, Schmand, Meerrettich, Dill oder weißer Schokolade, Kirscheis, Kirsche und sogar das ein oder andere Hauptgericht ohne die ungarische Spezialität.

Doch auch rings um die bis ins Detail überzeugende Küche passt im Langosch Wine & Food einfach alles perfekt zusammen. Angefangen bei dem überdurchschnittlich aufmerksamen Service, über die gut durchdachte und schlichte Einrichtung, bis hin zur ruhigen Lage im Friedrichshainer Norden. Hier, fernab der Simon-Dach-Straße, kommen keine Party-Touristen hin, hier trifft sich eher die erwachsene Nachbarschaft, gern auch mit Kindern, um den Abend mit Blick ins Grüne ausklingen zu lassen. Man fragt sich nur: Wie konnte Ungarns Food-Export erst ins weit entfernte New York und dann ins nahegelegene Berlin kommen?  (ihe)

Langosch Wine & Food Petersburger Platz 1, Friedrichshain, Tel. 030 42 80 81 00, www.langosch-berlin.de, klassischer Langosch ab 5,40 €, Langosch-Burger ab 9,90 €, Glas Wein (0,1 l) 3,50 €

Nicht nur für Mitglieder

Mit dem Restaurant Cecconi’s haben nun auch Berliner und Berlinbesucher die Möglichkeit sich im Soho House aufzuhalten

Große Erwartungen haben wir an unseren Abend nicht gestellt, hatte sich doch das Res­taurant auf der Mitgliederebene bisher kulinarisch nicht besonders hervorgehoben. Doch schon das Interieur ist eindrucksvoll: Eine hohe Kasten­decke mit Kristalllüstern, eine große holzver­kleidete Bar und eine offene Küche, schwere rote Ledersessel, Messing, weiße Tischdecken und Silberbesteck. Alles wirkt elegant, luftig und kosmopolitisch. Einzig die Lautstärke in dem ausgebuchten Restaurant verhindert eine allzu intime Atmosphäre.
Das Cecconi’s, übrigens eine Restau­rant-Kette der Soho House Gruppe, bietet italienische Küche, entwickelt von dem italienischen Küchenchef Alessio Biangini, der bereits in diversen anderen Cecconi’s weltweit gearbeitet hat. Die Karte ist dann auch typisch italienisch kategorisiert: Es gibt Pasta & Risotto, Carpaccio, Fisch und Fleisch aus dem Holzkohleofen oder Pizza.

Wir starten mit Cicchetti, eine Art italienische Tapas. Die frittierten Oliven, gefüllt mit Mortadella und Provolone sind fantastisch, nicht zu bitter oder zu fettig. Überhaupt sind frittierte Bällchen in der Hauptstadt sehr angesagt. Diese haben wir hier in solcher Qualität allerdings noch nicht gefunden. Dazu kommen saftige Polpette in einer fruchtigen Tomatensauce auf den Tisch. Ein gelungener Auftakt. 

Zur Vorspeise überspringen wir die Salatkarte, die mit Zutaten wie Blumenkohl oder Grünkohl mehr als die üblichen Blattsalate bietet, und probieren stattdessen das Tatar mit schwarzem Trüffel, Wachtelei und knusprig gerösteten Brotscheiben. Dieses ist – im Gegensatz zu einem ähnlichen Gericht auf der Clubetage – zart, die Parmesansplitter und der Trüffel zurückhaltend eingesetzt. Eine gelungene Adaption des Klassikers.

Pasta gilt im Cecconi’s als besonders empfehlenswert. Doch während die Garganelli Bolognese allenfalls guter Durchschnitt sind, überraschen die Krebs-Ravioli in einer leichten Tomaten-Safran-Sauce und Erbsen. Der Nudelteig ist hausgemacht und al dente, die Sauce leicht und fruchtigsüß, ohne das Krebsfleisch zu dominieren.

Den Abschluss bilden die mit Pista­zi­en­eis gefüllten Windbeutel mit Schokoladensauce. Uns wird eine so üppig bemessene Portion serviert, dass man sich fast wünschte, die Pasta nicht aufgegessen zu haben. Also unbedingt teilen.

Der Service ist nebenbei durchweg freundlich und aufmerksam.Das Cecconi’s schafft es, eine klassisch italienische Küche handwerklich hervorragend umzusetzen, mit dem Flair von Metropolen wie London oder New York zu kombinieren und eigene moderne Akzente zu setzen. Damit ist es eine Bereicherung für die Stadt.  (al)

Cecconi’s Berlin Torstraße 1, Mitte, Tel. 030 405 04 46 80, www.cecconisberlin.com/de, Speisen von 6 bis 32 €, Offene Weine ab 5,50 €/Glas


Unverkrampfte junge Kochkunst

Im Hallmann & Klee kommen farblich kombinierte Arrangements auf den Tisch

Giedre Kuliauskaite/HiPi

Es macht offensichtlich Spaß. Auf dem Böhmischen Platz, vor dem Hallmann & Klee, findet gerade ein Ping-Pong-Duell statt. Drinnen geht es nicht ganz so aufregend zu. Im Gegenteil: weiße Wände und viel helles Holz sorgen für ein aufgeräumtes Interieur, das von einer massiven grauen Steintheke dominiert wird. Das unterstreicht nur das, was später auf den Tisch kommt. Auch erscheint die Karte recht übersichtlich. Es gibt gerade mal zwei Hauptgerichte und diverse Vorspeisen zur Auswahl.

Aber aufgepasst! Die Dinnete (eine schwäbische Abwandlung des Flammkuchens) ist alles andere als dezent übersichtlich: farbenfroh mit Schmand, Speck, dünnen Apfelscheiben, Zwiebel und frischem Majoran belegt, wird sie von einem engagierten Kellner serviert.

Es ist eine wahre Freude, die ausgefallenen Farb- und Zutatenkombinationen, die auf den Tisch gestellt werden. So kommt z.B. der zartrosa Lachs in Begleitung von einem Arrangement aus violetten Gemüsechips, kräftig grüner fetter Henne sowie Spinat. Dann der Salat aus Bete, Fenchel, Brombeer und Feta – er leuchtet in weiß, grün und verschiedenen Rottönen. In welche Farbe zuerst mit der Gabel? Es ist eine gekonnte Komposition von Aromen und Texturen. Handwerklich sind alle Zutaten auf dem Punkt, sei es der Lachs, seien es die Brombeerblätter im Salat.

Die Desserts sind in der selben Qualität, wohlweislich in der Vitrine präsentiert, sodass die farblichen Kompositionen ins Auge stechen. Der Mohnkuchen mit Erdbeer- und Mascarponecreme ist der perfekte Abschluss.

Spaß haben die Gäste garantiert auch ohne Ping-Pong-Match vor der Tür. Es lohnt sich das Hallmann & Klee zu entdecken – auch wenn es einige an Böhmische Dörfer erinnert. (lvg)

Hallmann & Klee, Böhmische Straße 13, Neukölln, Tel. 030 23938186, www.hallmann-klee.de, Speisen 5 bis 15 €

 

Legerer Pariser Flair

Das Restaurant Morsh hat sich der zeitgemäßen französischen Küche verschrieben

Hätte das Restaurant Morsh seinen Standort in Paris, wäre es wohl unter Geheimtipp einzuordnen. Das sind in Paris kleine Restaurants, gassentauglich und gemütlich, ein wenig nostalgisch, in denen es sich aber hochwertig und gehoben essen lässt.

Schon optisch lässt sich das Eckrestaurant dort einordnen: Restaurierte Kupferleitungen an der Decke, in den Linoleumboden des Gastraums ist die Abbildung eines Baums eingefasst. Überwiegend gibt es weiß eingedeckte Zweiertische, weiße leichte Holzstühle und einen runden Tisch mit vier barocken Hochlehnen-Stühlen.  „Uns fehlte in Friedrichshain ein Restaurant, in das wir selbst gerne gegangen wären“, beschreibt Inhaberin Lara Remki. Ihr Mann Franklin Edmond ist Pariser und gelernter Hotelfachmann. Seit über 15 Jahren leben sie in Friedrichshain, haben sich mit morsh event catering selbstständig gemacht. „Mein Mann vermisste aber bei der deutschen Esskultur, dass man sich Zeit nimmt für das Essen – isst, sitzt, redet, wieder isst.“ Deswegen gibt es im Morsh eine kleine Karte und einen Fokus auf drei- bis sechsgängige Menüs. Mit Laurens Friedl hat das Ehepaar einen Jungkoch gefunden, der seine Ausbildung bei Christian Lohse gemacht hat und drei Jahre Erfahrung aus der Sterneküche des Bareiss in Baiersbronn mitbringt.

Die zarte und mit einer dünnen Kruste gespickte Maispoularde zu Hummus, der glatt und leicht pikant ist, an geschmorten Minimöhren, wird als main dish serviert. Dazu gibt es in einer Schale das side dish, ein Ragout von der Maispoularde unter kaltem Taboulé. Der Couscous, salzig und körnig, darauf das saftige Ragout in Limettenfond. Ein spannungsreiches Zusammenspiel. Zwischen main und side dish wird an einem geschmacksneutralisierenden Fond im Likörglas aus Tomatensaft, Koriander und Limette genippt, der geschmacklich überzeugt.

Zur Saison darf der Spargel im Angebot nicht fehlen: Es wird hier eine Schale mit gebrannten Zwiebeln, frischem Bärlauch und hauchdünnen Spargelscheiben serviert. Die Spargelvelouté wird am Tisch aus einer Glaskaraffe darüber gegossen. Das Dessert aus weißem Schokoladenmousse, Rhabarber und Olivenöl ist auf den ersten Eindruck nicht ungewöhnlich, wenn aber das aromatische Olivenöl aus dem Kern der, mit einer Kruste überzogenen, Mousse läuft, ist der gastronomische Fingerabdruck bleibend.

So gelingt es, wie Lara Remki ihren Anspruch beschreibt, „den Touch des Schönen in das Normale zu bringen“. Küchenchef Laurens Friedl greift trotzdem nach einem Stern „Mein Ausbilder Christian Lohse ist schon sauer, dass ich noch keinen Stern hab. Ausbildung mit 17, Stern mit 24“, lacht der Anwärter. (vb)

Morsh, Mainzer Straße, Ecke Scharnweberstraße, Friedrichshain, Tel. 030 70 50 91 02, www.morsh.me, Menükarte ab 19 Uhr, ab 29 €

 

Geteilte Freude

Im The Store Kitchen wird regionales und saisonales Essen zelebriert

Samosas mit Blutwurst, gegrillter Lauch oder in Salz gebackene Rote Bete in einem Kleiderladen? The Store im Soho House hat neben seinem Lunchangebot nun auch abends geöffnet. Mit kleinen Gerichten, die zum Teilen gedacht sind. Tommy Tannock und Johnnie Collins haben im hinteren Teil des Stores ihre neue Küche in Betrieb genommen. Und dort dürfen auch Nicht-Mitglieder hin.

Während man am bunten Marmortisch schon mal ein Glas Sekt, auch natural ausgebaut, süffelt, lässt sich das geschäftige Arbeiten durch die gläserne Front beobachten. Da steht Collins mit seinen Köchen und lässt sich auch durch neugierige Blicke durch die Fenster nicht ablenken. Ihr Fokus auf das Wesentliche lässt sich auch auf den Tellern erkennen. Die Samosas, gefüllt mit englischer Blutwurst, dazu ein Koriander-Chutney, kommt ohne viel Drumherum aus. Knusprig-zarter Teig mit einer leicht scharfen Füllung. Gedippt in das leuchtend grüne Chutney, sind sie saftig ohne fettig zu sein. Der gegrillte Lauch ist bissfest mit einem rauchigen Aroma. Die roten Tupfen darauf sind Sobrassada, eine luftgetrocknete Rohwurst, die sich streichen lässt. Sie bildet mit ihrer gehaltvollen, cremigen Konsistenz einen schönen Kontrast zu den sonst puren Spargelhälften. Interessant ist auch die Rote Bete mit Beenleigh Blue, einem britischen Blauschimmelkäse aus Schafsmilch, und Thymian. Die Süße der roten Knolle wird durch die würzige Schärfe des Käses angenehm ergänzt, der Thymian rundet das Gericht ab.

Viele der Zutaten stammen aus dem Berliner Umland, sind saisonal. Daher wechselt die Karte auch wöchentlich. Und da stehen noch einige weitere interessante Kombinationen, wie etwa das Bärlauchomelette mit Nordseekrabben oder die Sichuan-Ochsenbäckchen mit buntem Mangold. Laut Tommy Tannock kommt man am besten mit mehreren Freunden, damit man alles durchprobieren kann. Zum Essen empfiehlt er außerdem, einen Cocktail zu trinken. Einen Gin Tonic zum Beispiel, oder, wer es etwas süßer mag, den Jack Rose mit Grenadine, Applejack und Peychaud’s Bitters. Den klassischen Wein gibt es an der Bar im vorderen Bereich des Stores auch, nur eben wieder mit Fokus auf das Produkt. Es gibt viele biodynamische und natürliche Weine.

Nur an eines muss man sich ein wenig gewöhnen: Alle überaus freundlichen Teammitglieder sprechen nur Englisch. Doch gutes Essen braucht nicht viele Worte. (pia)

The Store Kitchen Soho House Berlin, Torstraße 1, Mitte, Tel. 0176 32 64 07 91, www.thestores.com, vorerst Donnerstag bis Samstag ab 20 Uhr, bald jeden Tag,
Speisen ab 3,50 €

Bitterballen und Trendsetting

Im Lode & Stijn feiert sich die angesagte Gourmetszene mit Schulterklopfen

Schon seit Eröffnung hört man nur Gutes von dem eröffneten Restaurant der beiden Köche Lode van Zuylen und Stijn Remi. Begeistert werden Fotos der Gerichte gepostet, ebenso euphorisch die Unterzeilen dazu getextet. Social-Web-Marketing bewegt die Neuköllner Gourmet-Fraktion in Massen. Jüngstes eindrucksvollstes Beispiel ist die Eröffnung des Imbisses von Dandy Diary. Hunderte strömten in die kleine Butze in Neukölln. Hunderte sind es nun nicht, die das Restaurant Lode & Stijn in Kreuzberg, in der Lausitzer Straße besuchen. Aber ab 20 Uhr ist kaum noch ein Platz zu bekommen und man versteht sein eigenes Wort nicht mehr.

Das Interieur ist nordisch, also das, was wir uns darunter vorstellen, die lange Bank schön anzusehen, aber einfach unbequem. Die Stühle sind besser. Das Licht ist gut gesetzt, die Gäste sehen, was auf den Tisch kommt. Und so erscheint das Brot mit Butter ganz normal. Es kostet aber schon mal fünf Euro und gilt als Vorspeise? Weiterhin kommt Lardo mit Mandeln und leicht mit Honig beträufelt auf den Tisch sowie die Bitterballen, „das Beste“, wie die Begleitung bemerkt. Die Kroketten sind alles in allem o.k., über die Preise wollen wir nicht mehr sprechen.
Aber zum Service muss gesagt werden, dass die Mädels die Sekt- und Weingläser einzeln per Hand an den Tisch bringen. Sind Ta­bletts jetzt ein No-Go? Angefasst wird nicht am Stil, sondern am Glaskörper. Auch werden die Flaschen samt Etikett der durchaus teuren Weine nur auf Anfrage gezeigt. Weinberatung? Gleich null. Einzig Restaurantleiterin Janne Kaas beweist einnehmende Gastgeberschaft.

Auf ihre Empfehlung hin entscheiden wir uns, jeweils zwei Gerichte zu ordern. Wir sind zu dritt, bestellen also alle sechs Hauptgerichte. Der Saibling unter dünn gehobeltem Kohlrabi und Birne ist ein sanftes Zusammenspiel von salzig-süßlichen und herben Aromen. Beim Rindertatar vermissen wir die angekündigten Austern, die sind als Creme im Tatar und im Chicorée zu finden, wie Kaas erklärt. Das Tatar ist sehr gut und das Brot ist mutig geröstet, sodass herrliche bittere Röstaromen das dezent gewürzte Fleisch begleiten. Der Knollensellerie mit Ziegenkäse und Haselnüssen ist nett, genauso die Rote Bete mit Blattsenf und Topinambur. Wie die Blutwurst mit der geräucherten Forelle zusammenkommen soll? Dabei liegen noch ein paar feingehobelte rohe Kartoffelscheibchen, die so von Stärke überzogen sind, dass ein merkwürdig seifiges Gefühl im Mund entsteht. Muss ja auch nicht jeder mögen. Auch das Lammfleisch ist vermutlich nur für Kenner. „Es kommt aus der Schulter und aus dem Bauch“, wie Koch Lode van Zuylen erklärt. Und als seine Frage höflich beantwortet wird, wie es denn schmeckt, dass es nämlich mit dem Lamm schwierig ist, verblüfft er mit dem Satz „Ich diskutiere nicht!“. Wer will das auch in einer Situation, in der eine Unterhaltung kaum akustisch und auch sprachlich schlecht möglich ist.

Der Nachtisch hätte eventuell alles noch mal rumgerissen. Aber weder die Pavlova noch das Baba au Rhum ist das, was man sich landläufig darunter vorstellt. Schade, es wäre doch so schön gewesen, dazuzugehören, zur hippen Gourmetszene. Aber vielleicht ist das Lode & Stijn die Bestätigung eines ständig wiederkehrenden Gastro-Trends, nämlich szenig zu sein, egal wie es schmeckt und was es kostet.  (emh)

Lode & Stijn Lausitzer Straße 25, Kreuzberg, Tel. 030 65 21 45 07, Reservierungs-Tel. 0152 31 88 51 47, www.lode-stijn.de, Speisen 5 bis 18 €, Menü 58 €

 

Dolce Vita im Wedding

Was Neues im Wedding? Nicht ganz. Bereits seit über einem Jahr gibt es den Neontoaster

Dass hier italienische Küche auf den Tisch kommt, verrät der Restaurantname zwar nicht sofort, ein Blick durch die großen Fenster jedoch macht schnell klar: Hier wird gegessen, getrunken, gelacht und geredet. Eine Auswahl an Weinen, Limonaden und Dolci sind auf dem großzügigen Tresen platziert, überall im Raum steht gemütliches, altes Mobiliar umher, moderne Kunst hängt an den Wänden. Das Geschirr ist bunt zusammengewürfelt und doch passt alles irgendwie zusammen. Vor allem aber gibt es hier ausgefallene und rustikale Gerichte, die beim gewöhnlichen Italiener um die Ecke eher selten auf den Teller kommen. Und zudem ausnahmslos fleischlos, in Bioqualität und dennoch preiswert. Das saisonale Bio-Gemüse und die Bio-Kräuter stammen von regionalen Erzeugern.

Geführt wird der Neontoaster von Barbara Della Fronte, einer überaus herzlichen Gastgeberin, und ihrem Partner Alessandro, der zwar deutlich schweigsamer ist, aber dafür begeistert sein kulinarisches Können umso mehr: Der pikante, geräucherte Tofu mit rohem, mariniertem Rotkohl ist als Vorspeise simpel und wirklich gut. Ebenso der Russische Salat aus Kartoffeln und Möhren, der trotz veganer Mayonnaise leicht und knackig daherkommt. Die Hauptgerichte, wie ein deftiges Tagliatelle und Kürbis Timballo mit einer cremig-würzigen Bergen-Blukäse-Sauce oder eine herzhafte Polenta Crostino mit Blumenkohl, gerösteten Pinienkernen, Lauch und geräucherter Paprika, punkten nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch. Dazu gibt’s jeweils einen kleinen, grünen Blattsalat. Zu empfehlen ist das hausgemachte Tiramisu, mit Ei und gänzlich ohne Alkohol, von dem selbst Veganer heimlich schwärmen.

Auch zum Mitnehmen steht eine große Auswahl bereit an feinsten, traditionellen Naturkäsevariationen von der Alm oder vom Bauernhof sowie vollmundige, biodynamische Naturweine – direkt aus Italien importiert. Der angebotene Slow-Food-Kaffee wird auf traditionelle Weise in der Caffettiera Napoletana schonend zubereitet. Bei Sonnenschein stehen ein, zwei kleine Tische vor dem Restaurant. Sonntags wird abwechselnd ein vegetarischer oder veganer Brunch angeboten.  (sh)

Neontoaster Seestraße 106, Wedding, Tel. 0176 818 897 82, www.neontoaster.de, Hauptgerichte ab 7,90 €, Glas Wein ab 2,90 €

Immer auf dem Laufenden mit dem EssPress! Am Kiosk und in jeder Filiale der Bio Company!


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