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Interview

Arne Anker & Katja Weitzenböck | „Es kann gar nicht hektisch genug sein“

       08. Januar 2016       

Unser Traum von Kanada – so heißt die Familienserie der ArD, die im Januar startet. In den hauptrollen sind Michael Gwisdek, Katja Weitzenböck, Sonja Gerhardt und Robert Seeliger zu sehen. Gemeinsam treffen sie in einer Lodge an der Vancouver Bay aufeinander, dabei sieht die Handlung einige Komplikationen vor. Katja Weitzenböck spielt als Iris eine deutsche Sterneköchin, die privat und geschäftlich gescheitert ist. Was ist nun Realität, was Fiktion? Schauspielerin Katja Weitzenböck hat sich mit Sternekoch Arne Anker vom Pauly Saal getroffen und das filmische mit dem alltäglichen Kochleben verglichen. 

Arne Anker: In der Filmreihe geht es von der Stadt aufs Land. Das ist mit hiesigen Begebenheiten nicht zu vergleichen, oder?

Katja Weitzenböck: Im echten Leben in Vancouver sind Land und Stadt sehr nah beieinander. Die Menschen in Kanada leben viel in der Natur. So ist im Film auch das Urbane und das Ländliche gleichberechtigt nebeneinander vertreten. Mein Part spielt viel in der Stadt, im urbanen Vancouver. Es ist das schnelle, erfolgversprechende Leben, und nicht die kontemplative Ruhe des Landes. Es wurde auch in schnellen Rhythmen gedreht, es gab schnelle Bewegungen, schnelles Sprechen, Hektik in der Küche, Stress, Druck.

Anker: Das Leben eines Koches, der wirklich etwas erreichen möchte, das ist tatsächlich stressig. Das ist nicht nur der Job in der Küche. In der Freizeit geht man immer auf die Suche nach neuen Produkten, nach Lieferanten, nach regionalen Produkten, nach Ideen. Alles, was man findet, verbindet man mit einer Idee, einem Gedanken. Unter dem Motto: wie kann ich ein Gericht verändern, dass es noch besser wird, noch perfekter. Es wird gebrüllt in Stresssituationen, wenn irgendwas nicht auf dem Punkt ist. Es wird spaßeshalber mal mit dem Kochlöffel aufs Hinterteil gehauen. Das ist dann aber eine Form der Motivation. Das ist total schwierig zu begreifen für einen, der das von außerhalb betrachtet.

Weitzenböck: Ich hatte einen Kollegen, einen kanadischen Schauspieler, der im Nebenjob auch in gehobenen Küchen gearbeitet hat. Der hat das genauso beschrieben. Ich habe von ihm viel gelernt. Es kann gar nicht hektisch genug sein, der Tonfall ist rau und es wird immer Druck gemacht.

Anker: Wir brauchen das und diese spezielle Hektik, um auch diese Qualität, diese Art der Höchstleistung zu bringen.

Weitzenböck: Meine Figur beschreibt sich selbst als arbeitssüchtig. Sie braucht das, es macht ihr Spaß. Sie wacht morgens um fünf Uhr auf und hat einen Einfall für eine Sauce, steht auf und bereitet sie zu. Ihr Mann sagt, sie hätte einen an der Klatsche. Deswegen geht auch die Beziehung kaputt.

Anker: Ich sehe meine Freundin vier Stunden nach dem Feierabend und sonntags. Ich stehe um sechs Uhr auf, wir trinken Kaffee und dann fahre ich sie um acht Uhr zur Arbeit. Dann komme ich hier in den Pauly Saal rein, bin komplett alleine, nur der Bäcker ist da. Da kann ich in Ruhe zwei, drei Gerichte überdenken, kreieren und neu arrangieren.

Weitzenböck: Es gibt in der Privatküche eine Szene, wo das so gezeigt wird, das Experimentieren in der Zubereitung. Ich habe sie so verstanden, dass sie, wie eine Malerin, die Farben zusammenführt, Genuss und Erfüllung darin findet. Und Angst hat, wenn ihr das wegbricht und sie das nicht mehr hat, dass sie dann sinnentleert durch das Leben laufen müsste. Was dann im Film tatsächlich passiert.

Anker: Ich weiß nicht, was ich machen würde, wenn ich nicht kochen könnte. Ich wüsste nicht, wenn ich meine Zeit nicht im Pauly Saal verbringe, was ich sonst machen würde.

Weitzenböck: Der Ehemann hat sich angesichts dieser arbeitswütigen Frau ein geheimes, zweites Leben aufgebaut. Und seine Freundin ist schwanger. Er hat Schulden gemacht – damit platzt die ganze Blase. Sie verliert ihre komplette Existenz. Ihr Lebensziel, der zweite Stern, so geht der Film los, wird scheinbar unerreichbar. Herr Anker, das würde mich auch mal im echten Leben interessieren: Sitzt der Kritiker wirklich unerkannt im Restaurant?

Anker: Das kann jeden Tag so sein. Bei manchen hat man eine Ahnung, weil dadurch, dass wir eine offene Küche haben, können wir ins Restaurant reinschauen. Dementsprechend sieht man natürlich, wie jemand das Essen anguckt, sich bewegt, daran riecht. Wie Menschen essen, daraus kann man seine Schlussfolgerung ziehen. Wir hatten einen Kritiker zu Gast, der sich geoutet hatte. Abschließend meinte er, er werde vielleicht erst in den nächsten neun oder zehn Jahren wiederkommen. Die Michelin-Kritiker wechseln ständig ihren Zuständigkeitsbereich. Dieses Jahr sind sie für Deutschland zuständig, nächstes Jahr vielleicht für England, dann für Spanien. Das ist aber auch das Schöne an der Herausforderung. So muss man jedem Gast das perfekte Essen vorsetzen. Der Stern war zwar schon im Haus, aber wir konnten vollkommen unbeschwert kochen. Jetzt haben wir, das neue Team, den Stern gekriegt, jetzt fängt natürlich der Druck an. Das heißt, kleine Fehler, die wir vorher akzeptiert haben, weil es die ersten sechs Monate waren, gibt es so nicht mehr. Wenn etwas nicht auf dem Punkt ist, nicht gut genug ist, dann geht es auch nicht raus.

Weitzenböck: Das finde ich beeindruckend. Im Film erfährt Iris, während sie einen Fisch zubereitet, dass das Fleisch nicht ausgeliefert wird, weil die Rechnung nicht bezahlt worden ist. So kommt sie darauf, dass ihr Mann seit Monaten Geld anderweitig benötigt. Und während dieser Nachricht verbrennt dieser Monkfisch (Seeteufel), sie nimmt die Pfanne und haut den Fisch in den Mülleimer. Dass so ein sauteurer Fisch einfach im Mülleimer landet, weil er dem Qualitätsstandard nicht mehr entspricht? Auch der Umgang mit den Mitarbeitern ist rau, sehr rau. Und kühl. Aber es gibt auch eine Herzlichkeit, die eher versteckt ist. Im Fortgang der Geschichte sieht man Iris herzlicher mit dem Personal umgehen. Es rührt sie sehr, dass sie ihr die Stange halten und in harten Zeiten zusammenbleiben.

Anker: Man ist das Alphatier. Wenn man selbst anfängt Mist zu machen, dann müssen alle anderen darunter leiden. Das ist leider so. Allerdings ist der Umgang in der Küche bei uns anders. Bei uns im Mise en Place haben wir Spaß, machen Witze, geben Gas und versuchen auch den Humor beizubehalten. Ich weiß auch, was jeder in seiner Freizeit tut, wir sind per Du und das wird auch so bleiben und das ist auch witzig. Aber sobald der Service anfängt, switcht das bei uns allen komplett um. Ab diesem Moment sind wir alle konzentriert, gucken, dass alle Produkte auf dem Punkt sind, machen aber trotzdem Witze zwischendurch. Ist das Ergebnis nicht mehr auf dem Punkt, wird es lauter und herrischer.

Weitzenböck: Das erinnert mich an das Filmteam. Da ist es genauso. Alle müssen miteinander arbeiten, die einen sind sichtbar, die anderen hinter der Kamera. Aber ohne die Zuarbeit und die Zusammenarbeit sind wir Schauspieler komplett aufgeschmissen. Zum Thema Teamarbeit: Es gab eine Küchenszene, die war am letzten Drehtag, und ich erinnere mich, ich habe eine riesige Lachsforelle mit nach Hause genommen. Das war die beste Lachsqualität, die ich jemals gekostet habe. Für das Filetieren beim Drehen haben sie eine Küchenfee angeheuert, die eben die Fingerkuppen so einbiegen und die Kräuter professionell schnell schneiden konnte und dann den Lachs mariniert hat. Ich bin ein großer Fan von gekonnt ausgeführten Bewegungen, sei es bei Musikern oder bei jedem anderen Handwerk. Aber mir war klar, ich kann das nicht. Das glaube ich sofort, dass es jahrelanges Training erfordert.

Anker: Man fängt ganz langsam an.

Weitzenböck: Das ist ganz lustig, meine Figur, die Sterneköchin Iris, hyperventiliert bei Stress. Zuerst dachte ich, wir sollten das aus dem Drehbuch rausnehmen. Zu sehr Klischee. Aber die Küchenszenen wurden dann so hektisch dargestellt, da konnte ich das gut nachvollziehen. Und Ärzte haben bei der Recherche erklärt, dass das ein gängiges weibliches Spannungsabbauventil ist.

Anker: Wenn Sie Lust haben, dann kommen Sie doch für ein Praktikum vorbei.

Weitzenböck: Ich nehme Sie beim Wort. 

Fotos: Pia Negri

Unser Traum von Kanada, „Alles auf Anfang“, 8. Januar, „Sowas wie Familie“, 15. Januar, jeweils um 20.15 Uhr in der ArD

Katja Weitzenböck, spielt z. Zt. in „Auf Messers Schneide (Cancun)“ im Schlosspark Theater, Schloßstraße 48, Steglitz, Karten-Tel. 030 789 56 67 1 00

Pauly Saal, Auguststraße 11—13, Mitte, Tel. 030 33 00 60 70, www.paulysaal.com


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