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Bio-Supermärkte

Georg Kaiser | „Wir wollen eigenständig bleiben“

       15. September 2016       

Bio Company, die Berliner Supermarkt-Kette, hat sich zwei Partner ins Boot geholt. Georg Kaiser, einer der Geschäftsführer, erklärt, was es damit auf sich hat und macht die  Firmenstruktur sowie die Visionen deutlich. Dabei geht es um Wachstum und Stabilität gemeinsam mit den Bio-Bauern

Wer ist in Berlin zur Zeit der größte Bio-Supermarkt?

Georg Kaiser: In Berlin dürften wir die Nase vorn haben, nach An­zahl der Filialen. Wir haben in Berlin 42.

Wir hatten uns vor über einem Jahr unterhalten und da ging es darum, dass nicht mehr Filialen etabliert werden sollten, sondern die Vorhandenen stabilisiert werden. Habe ich das richtig verstanden? 

Wir wollen die Expansion nicht massiv steigern. Ich hatte erklärt, dass wir so zwischen fünf und sieben Filialen pro Jahr eröffnen und in diesem Takt würden wir gerne weiter­machen.

Nun haben Sie, was die Firma Bio Company betrifft, gleich Zwei ─ einmal Midgard und einmal eine Schweizer Investorengruppe ─ mit ins Boot geholt.

Midgard ist der älteste Demeter- Großhandel Deutschlands, seit 1931. Die Firma Midgard heißt erst seit 20 Jahren so. Vorher hieß sie Koch & Egner und hatten bereits mit Rudolf Steiner zusammengearbeitet. Früher belieferte sie Reformhäuser, später sind Naturkostläden dazugekommen und am Ende belieferte sie nur noch diese. Das war Midgard im Kurzdurchlauf.

Haben Sie immer schon Anteile von Midgard gehabt?

Letztes Jahr im Frühjahr haben wir die ersten Anteile gekauft.

Aber Sie haben immer schon mit denen zusammengearbeitet?

Das war unser zweitwichtigster Lieferant für Bio Company, nach Terra. Und die Bedeutung hat immer mehr zugenommen, weil wir über Midgard ja auch die Bio-Company-Eigenmarke logistisch etabliert und bearbeitet haben. 

Was hat es mit Ökofrost auf sich?

Wo fang ich jetzt an?! Bleiben wir vielleicht mal bei Midgard. Wir haben uns dann entschieden bei Midgard reinzugehen und ein zweiter Gesellschafter, der mit reingegangen ist, war Florian Gerull, dem auch Ökofrost gehört – aber Ökofrost selber ist nicht beteiligt gewesen. Wir haben das dann bis April diesen Jahres zusammen gemacht, dann ist Florian Gerull raus aus der gemeinsamen Midgard-Geschichte und wir haben seine Anteile übernommen. Im Prinzip war das nur ein Umweg.

Die Supermärkte haben mit all dem aber nichts zu tun?

Nein, die Bio Company ist geblieben wie sie war: das sind die Bio-Supermärkte mit der Zentrale hier, das bleibt unberührt.

Die nächste große Meldung war, dass Schweizer …

Genau. Hubert Bopp-Kemp und ich waren alleinige Gesellschafter. Wir haben alle Innovationen immer über Banken finanziert. Dadurch, dass wir stark wachsen, haben die Banken irgendwann mal gesagt,  es wäre wichtig, dass wir unser Eigenkapital stärken. Das ist eine finanztechnische Geschichte. Es geht um Kapitalerhöhung, das heißt ein neuer Gesellschafter kommt dazu, der gibt Geld rein und so hat man Eigenkapital: das heißt, wir brauchen auf mehrere Jahre keine Banken-Finanzierungen mehr. Der neue Gesellschafter ist die BDH, die Bio Development Holding, und die hat jetzt einen Anteil von 39 Prozent und wir haben zusammen noch 61 Prozent. 

Wer sind denn nun die Schweizer?

Sie sind bekannt in der Branche. Hinter der BDH steckt quasi ein Fond und da stehen drei Gesellschaften dahinter, die Coopera AG, ein uralter schweizer, anthroposophischer Pensionsfond, dann die Italiener Bio Berenice und Concolor AG. 

Das heißt sie kommen alle aus derselben Richtung?

Das sind alles Bio-Akteure seit vielen Jahren: die Coopera gibt es seit über 100 Jahren, war zum Beispiel Gründungsfinanzier von Weleda. Bio Berenice sind größere italienische Bio-Bauern und Bio-Hotelbesitzer und Concolor ist ein Schweizer Privatunternehmen, das seit 30 Jahren in nachhaltige Firmen investiert. Mit einem anderen Investor hätten wir auch gar nicht zusammengearbeitet. So aber sind wir relativ stabil aufgestellt und das ist wichtig. Wenn wir zum Beispiel durch eine strukturelle Krise, also in härteren Zeiten, eventuell an Umsatz für eine gewisse Zeit verlieren, dann würde es schon eng werden. Mit so einem Partner im Hintergrund kann man aber auch mal ein, zwei Jahre eine Durststrecke überstehen.

Jetzt ist Bio Company nicht mehr nur national, sondern international aufgestellt. Haben Sie sich das so vorgestellt?

Wenn Sie mir vor zehn Jahren gesagt hätten: Herr Kaiser, Sie werden mal ein Unternehmen mit 1.500 Mitarbeitern führen, da hätte ich Ihnen den Vogel gezeigt. Ich habe neulich meinen Mitarbeitern Fotos vorgelegt, wie ich angefangen habe, in Frankreich als Fischverkäufer. Das war im großen Marché. Ich habe morgens immer die Fischtheke aufgebaut, das war 1991, da bin ich mit 21 auf gut Glück nach Frankreich und habe mir einen Job gesucht und habe dann fast ein halbes Jahr auf dem Markt gearbeitet. Mal drei Wochen Fischtheke, dann drei Wochen Konditorei, mal nachts die Abteilung umgebaut – das war eine lustige Zeit. Damals hat mich mein Chef aus Frankreich gefragt, was ich denn jetzt vorhabe, wenn ich wieder zurück nach Deutschland gehe, ob ich im Osten mein großes Geschäft mache und da habe ich gesagt: Nein, ich gehe zurück zu meinen Eltern und mache meinen kleinen Edeka-Laden. 

Daraus ist nichts geworden. Jetzt ist es die Bio Company und es gibt bereits Pläne für den Einstieg ins Online-Geschäft?

Das sind Planungen für die Zukunft. Ein kleines Onlineportal für Großverbraucher gibt es jetzt schon, aber das ist relativ einfach und für Köche z.B., die am Abend bestellen und am nächsten Tag geliefert bekommen. Das gibt es jetzt schon und ist ein „Business to Business“-Modell. Mit Midgard wollen wir uns die Option für den Endverbraucher eröffnen, denn damit haben wir die Plattform, um die Sachen zu kommissionieren und hinzustellen für eine Abholung oder den Versand, denn das können wir ja nicht aus dem Laden machen. Das ist wirklich eine Vision und dafür braucht man eine vernünftige Plattform – und das kann Midgard sein. Wir wollen eigenständig bleiben und mit Mittelständlern oder Kleinkunden arbeiten.

Ich höre immer von den Gastronomen, sie würden gerne auf Bio umsteigen, aber es sei ihnen zu teuer. Ist der Preisunterschied immer noch so groß? 

Wir werden preislich nie die konventionelle Ware einholen. Diese hochindustriellen mit synthetischen Düngern und mit Spritzmitteln erzeugten Lebensmittel kann man mit billigsten Mitteln erzeugen. Wenn jemand auf Qualität und zu Bioware wechselt, dann sind das vielleicht nochmal 5 oder 10 Prozent Mehrkosten. Aber wenn einer billig einkaufen will und nicht fragt wo was herkommt – diesen Abstand werden wir nie einholen, das ist klar.

Spüren Sie denn den aktuellen Boom, den es in der Gastronomie und der jungen Szene gibt, was Regionalität und Nachhaltigkeit betrifft? 

Den gibt es schon länger. Das ist ja quasi der Anstoß, dass wir hauptsächlich mit unseren Läden in Berlin Brandenburg unsere Waren beziehen. Thema Fleisch – wir haben eine eigene Manufaktur, wo wir ausschließlich Fleisch aus der Region verarbeiten, auch aus Mecklenburg-Vorpommern. In der Weihnachtszeit, wenn es mal ganz eng wird mit den Edelteilen, dann kommt auch mal was aus Süddeutschland. Aber 90 Prozent von unserem Fleisch und unserer Wurst kommt aus der Region.

Ihr direkter Draht zu den Produzenten hier in der Region verschafft Ihnen einen Vorteil?

Vor fünf Jahren habe ich noch gesagt: es gibt hier massig Erd­beeren in der Stadt, mehr oder weniger aus der Region, aber es gibt keine Bio-Erdbeeren, höchstens minimale Mengen. Und dann war unser Anliegen zusammen mit dem Großhandel das auszubauen. Wir wollen mit Landwirten oder mit den Anbauverbänden das anbauen, was tatsächlich im Bio-Fachhandel nachgefragt wird: was wir nämlich noch nicht aus der Region kriegen und was aber hier wachsen würde. Das ist ein langer Weg, aber den gehen wir jetzt auch schon rund zwölf Jahre und deswegen haben wir auch Erfolg. 

Kann man so viel Fleisch und Wurst produzieren, wie der Markt haben will?

Ja. Bio-Fleisch und -Wurst macht nur ein oder zwei Prozent vom Gesamtkonsum aus.

Wenn man Umfragen über den Bio-Konsum der Berliner ernst nimmt, habe ich immer den Eindruck, dass die Hälfte der Berliner nur Bio isst.

Isst auch Bio. Betonung liegt auf auch. Es gibt kaum einen Menschen, der nur Bio isst. Keiner, den sie auf der Straße interviewen, wird genau das tun, was er sagt. Da wird erwartungskonform geantwortet.

Landkauf ist ein großes Thema. Bauern haben Probleme, überhaupt Land zu kaufen oder von konventionellem Ackerbau auf Bio umzustellen.

Die Pacht- bzw. Kaufpreise für Agrar­land sind immer noch sehr hoch, ungefähr das Vier- bis Fünffache wie vor zehn Jahren noch. Teilweise sind die Preise von 3.000 auf 15.000 Euro pro Hektar gestiegen. Deshalb haben wir und viele andere die sogenannten Bioboden­genossenschaft mitgegründet, um jungen Bauern überhaupt mal einen Landkauf möglich zu machen. Das ist eine sehr gute Sache. Wir waren Gründungsinitiatoren von der Genossenschaft, haben auch Gründungskapital mit rein gegeben, aber ein Tausendfaches dessen hat die Genossenschaft mittlerweile schon eingesammelt von Leuten, die ihr Geld da rein geben. Damit Biolandwirtschaft in Deutschland nach vorne kommt. Da gibt es Leute, die geben ihre Erbschaft da rein, damit junge Leute wieder Bio machen können.

Gibt es denn Fördermittel? Von der Bundesregierung?

Das ist ein Skandal im Moment. Die Fördermittel kommen von den Landesregierungen, in dem Fall aus Brandenburg. Es gibt EU-Mittel. Die Landesregierung ist dann bei der Ko-Finanzierung dabei und muss die dann herausgeben. Die Brandenburger Bio-Bauern haben seit Monaten nicht ihr Geld erhalten, weil dieses Ministerium es nicht schafft dieses Geld, was sie ja schon als EU-Mittel bekommen haben, den Landwirten weiterzugeben. Mittlerweile kommen Landwirte auch auf uns zu und sagen sie bräuchten dringend Geld für Sprit, für die Gehälter usw. Dann bieten wir und andere Unter­nehmen Stützungsdarlehen an, damit die Bauern überhaupt diesen Gap überleben. Was Brandenburg ihnen da antut, ist ein Wahnsinn.

Ist da irgendjemand jetzt politisch hinterher? Die Fördergemeinschaft Ökolo­­gi­scher Landbau, aber bisher habe ich nicht gehört, dass es ausbezahlt ist. Aber zum Glück haben wir solche Institutionen, die dann Druck machen.

(interview emh; Fotos Pia Negri/HiPi)


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