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Try Foods

Jörn Gutowski | „Schadet ja nicht, so mein Gedanke“

       15. Januar 2017       

Anfang November war Jörn Gutowski mit seinem Unternehmen Try Foods in der Höhle der Löwen. Im Interview erzählt er, wie es hinter den Kulissen aussieht und was den Erfolg des TV-Formats auf Vox ausmacht.

Wann warst du in der Höhle der Löwen? Wie viel Vorlauf, wie viel Vorbereitungszeit gab es?

Jörn Gutowski: Die Aufzeichnung war Anfang März. Die Produktionsfirma gibt die Aufnahmen an den Sender weiter. Erst wenn der finale Schnitt vom Sender abgenommen wird, bekommt man Bescheid. Ich habe die finale Zusage für die Übertragung zweieinhalb Wochen vor der Ausstrahlung erhalten.

Bist du gecoached worden? Gab es eine Vorbereitungsphase?

Die Produktionsfirma hat einige Sachen vorbereitet und mit mir durchgesprochen, aber ansonsten ist viel Eigeninitiative gefordert. Der erste Teil ist ein Pitch, der vor den Aufzeichnungen gemacht wird. Der ist gerade mal drei Minuten lang. Den kurzen Auftritt bespricht man mit dem Produktionsteam, die auch einen Businesscoach dabei haben. Die Kulisse wird besprochen, was stellt die Produktionsfirma zur Verfügung, was bringt man selbst mit. Ich habe mich zusätzlich vorbereitet und mit Fachleuten aus dem Investment-Bereich gesprochen. Wenn Fragen nach den Zahlen gestellt werden, wie antworte ich, was überzeugt die Löwen als Investoren überhaupt. Ansonsten gab es Gespräche mit Leuten, die aus der Food-Startup-Szene kommen und mit solchen, die auch schon mal in der Höhle der Löwen waren.

Wer hat dir denn geraten überhaupt in die Höhle der Löwen zu gehen?

Ich habe von anderen Startups gehört, dass dieser Auftritt sie ex­trem weitergebracht hat. Ich dachte einfach, dass ich mich ja auch mal bewerben könnte, hatte aber keine großen Erwartungen. Abends um 23 Uhr, auf der Couch, habe ich ein Online-Formular ausgefüllt. Schadet ja nicht, so mein Gedanke. Ohne lange nachzudenken und zu korrigieren hab ich das ausgefüllt und abgeschickt. Daraufhin hat sich die Produktionsfirma gemeldet und ich habe einen mehrstufigen Bewerbungsprozess durchlaufen. Die Show war für mich perfekt, weil ich die Möglichkeit hatte, mein Produkt zu erklären. Und die Leute schauen die TV-Show, um neue Produkte kennenzulernen. Meine Produkte sind erklärungsbedürftig. Selbst wenn ich irgendwo mal Werbung geschaltet habe, brachte das nicht viel.

Bisher warst du bei verschiedenen Food-Festivals, wo du direkt Kontakt mit dem Kunden hattest und erklären konntest, was Try Foods ist. Können solche Veranstaltungen mit dem Massenmedium TV mithalten?

Das ist schon eine merkwürdige Erfahrung und auch etwas strange, zu erkennen, dass eine Fernsehshow so viel Macht hat, also so viel in Bewegung setzen kann. Früher war’s halt ein großer Artikel in einer Zeitung, der dazu führte, dass Leute zu einem Durchbruch gekommen sind. Heute ist es eben so ein Format wie „Die Höhle der Löwen“. Aber man muss wissen, dass man ganz schön viel in die Hände dieser Produktionsfirma und des Senders legt.

Es gibt ja auch Teilnehmer, die verlieren, die werden abgeschmettert. Wird das vorher schon erklärt oder geklärt?

Die Sache ist vielschichtig. Einmal ist es wichtig, dass du dich präsentieren, dass du erklären kannst, was du machst und dass dein Produkt positiv rüber kommt. Wenn dann anschließend die Diskussion der Juroren losgeht, dass sie vielleicht nicht investieren wollen, aber das Produkt für gut befinden, ist das positiv zu werten. Es geht um Geld und Gewinn, und wenn die Investoren urteilen, dass es für sie nicht genug Geld bringt, ist das grundsätzlich nichts Schlechtes. Kein Investor heißt ja nicht, dass dein Produkt schlecht ist. Als Startup sind für dich zwei verschiedene Zielgruppen wichtig. Einmal die fünf Investoren, aber eine viel größere und wichtigere Zielgruppe sind die drei Millionen Zuschauer.

Das heißt, du musst beide Zielgruppen gleichzeitig ansprechen.

Wenn du nur vor fünf Investoren stehen würdest, sähe die Präsentation ganz anders aus. Man muss bei der Vorbereitung berücksichtigen, dass drei Millionen Menschen zuschauen, die von Investment-Business wenig Ahnung haben, und auch das Produkt überhaupt nicht kennen. Deshalb geht man die Präsentation einfacher an, damit das Millionenpublikum einen auch versteht. Trotzdem, es ist bei allem ein Risiko. Denn beim Dreh kann immer irgendetwas passieren. Dass du dich blöd präsentierst, dass die Investoren Fragen stellen, auf die du nicht antworten kannst, dass du dich verhaspelst und den Faden verlierst und plötzlich in eine Ecke gedrängt wirst, wo du gar nicht hinwillst. Zudem hat man auf den Schnitt, auf die Dramaturgie letzen Endes keinen Einfluss. Ich habe die Folge mit meinem Auftritt das erste Mal bei der Ausstrahlung gesehen. Ein Vorteil ist immer, wenn einer der Investoren Interesse hat. Das kann dann nicht so geschnitten werden, dass du schlecht wegkommst.

Ein Investor wollte bei Try Foods einsteigen? Gleich drei der Investoren haben mir ein Angebot gemacht. Jochen Schweizer, Ralf Dümmel und Frank Thelen und für Letzteren habe ich mich entschieden. Aber hinterher war in den Medien dann zu lesen, dass Thelen keine Anteile genommen, sondern einen Kredit angeboten hat?

Man muss wissen, dass die Entscheidung des in der Show genannten „Deals“ wirklich spontan ist. Die Investoren haben vorab keine Informationen. Die Produktionsfirma ist in dieser Hinsicht extrem streng. Du darfst vorher keinen Kontakt zu denen aufnehmen. Wenn die Show losgeht sehen die Investoren dich zum ersten Mal und hören zum ersten Mal von deinem Produkt. Sie müssen ad-hoc entscheiden, ob sie investieren wollen oder nicht. Sie können sich nicht nochmal Dokumente oder Papiere anschauen. Und für mich war es genauso. Ich musste mich kurzfristig für einen der Investoren entscheiden. Das ist nicht gespielt. Ich musste mich eine dreiviertel Stunde mit ihnen auseinandersetzen, weil es noch viele Fragen gab. Bei anderen hat es bis zu zwei Stunden gedauert. Die Kamera läuft immer mit. Da kann keiner sagen: ‚Frag das doch nochmal anders.‘ Am Ende ist es eine spontane Entscheidung. In der Show geht’s um den Deal, erst danach setzt man sich zusammen. Die Investoren machen dann den sogenannten „due-dillingence-check“. Sie schauen sich die Finanzen genauer an, sprechen über Strategien und erst dann kommt es wirklich zu einem Vertrag. Die Produktionsfirma und der Fernsehsender sind da völlig raus, damit haben die dann nichts mehr zu tun. Das wird von den Medien gerne aufgebauscht, wenn hinterher die Deals anders aussehen oder nicht zustande kommen. Frank Thelen und ich konnten uns nicht einigen. Trotzdem unterstützt und berät er mich.

Thelen hat eine größere Summe als Kredit investiert. Wie fiel denn der mediale Effekt konkret aus?

Die Angebote der Investoren waren ernst zu nehmen. Aber ich wollte nicht auf Teufel komm raus was aushandeln. Für mich war das Wichtigste, dass ich die Möglichkeit hatte, den Zuschauern mein Produkt zu erklären.

Dein Geschäft hat nach der Ausstrahlung richtig Auftrieb bekommen?

Ich habe innerhalb von einer Woche das Doppelte vom letzten Jahresumsatz gemacht. Diese Wirkung, die TV hat, ist irre. Ich habe das Salz und das Olivenöl präsentiert. Die waren nach ein paar Tagen ausverkauft. Wir sind jetzt dabei noch etwas nachzuproduzieren. Dann ist Schluss für die Saison. Dann geht’s erst im Frühjahr wieder weiter.

Also du bleibst deinem Prinzip treu?

Ja, auf jeden Fall, ich will jetzt nicht irgendein anderes günstiges Olivenöl einkaufen und nachpacken. Es geht mir um Qualität – und das bleibt auch so.

interview emh; fotos rc

www.tryfoods.de

Die Probiersets von Try Foods ermöglichen, verschiedene Sorten von Salzen, Olivenölen, Kaffeeröstungen usw. zu probieren. Jedes TRY Set beschäftigt sich mit ausschließlich einem Lebensmittel und beinhaltet neben fünf Proben ein ausführliches Booklet mit Informationen, praktischen Tipps und persönlichen Geschichten.


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