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neni berlin

Jürgen Klümpen | „Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme“

       27. März 2014       

Eigentlich trafen sich Jürgen Klümpen und die Inhaber des 25hours Hotel eher durch Zufall: Er trug schon eine Weile das Konzept für seine Burger de Ville mit sich herum, fand aber keine Location. Die Hoteliers wiederum suchten nach frischen Ideen für ihr Design-Hotel. Mittlerweile ist Klümpen Küchendirektor des 25hours Hotels und damit nicht nur verantwortlich für Burger de Ville, sondern auch das Restaurant Neni und die Monkey Bar.

Herr Klümpen, Sie sind kein gebürtiger Berliner?

Nein. Hört man das? (lacht) Ich komme ursprünglich vom Niederrhein, fast an der Grenze zu Holland.
Ich war hier in Berlin sozusagen ein Jahr auf Montage. Montags bis freitags hier in Berlin, am Wochenende dann zurück nach Hause, nach Krefeld. Seit Juli wohne ich nun mit meiner Familie in Berlin.

Man kennt Sie aus dem Burger de Ville, einem Truck, der immer den Bikini-Baustellen weichen musste. Wie kommt man auf die Idee, seine zukünftigen Gäste mit einem Truck und speziellen Burgern anzuteasen?

Ich hatte das Burger-Konzept bereits in der Schublade und eigentlich auch schon eine Location. Doch der Besitzer meinte, da länger drinbleiben zu müssen als vertraglich vereinbart. Das Konzept war fertig und ich wollte es an den Mann bringen. Ich hatte dann Gespräche mit den Leuten vom 25hours Hotel, die gerne mal Guerilla-Marketing-Aktionen machen wollten. So ist erst die Idee von einem Food-Truck geboren worden. Es sollte nicht einfach nur ein Imbiss sein, sondern die Marke von 25hours transportieren. Und dann haben wir uns an die Baustelle gestellt. Das sollte eigentlich nur ein Jahr laufen, ist aber so gut angekommen, dass wir es weiter machen wollen.

Burger de Ville, den silbernen Airstream, wird es also in Berlin weiter geben?

Wahrscheinlich wird er hier oben auf die zweite Terrasse kommen. Ich habe seit März 2013 einen zweiten Truck in Wien stehen. Der dritte soll Ende März diesen Jahres in Hamburg an den Start gehen.

Mussten Sie Zugeständnisse machen für Berlin? Sind die Berliner anders als etwa die Wiener oder Hamburger?

Der Burger ist hier ein Euro günstiger als in Wien. Ich habe lieber eine Schlange vor dem Laden als zu sagen: ‚Ist gut, aber teuer.‘ Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss gegeben sein. Da ist der Berliner vielleicht kritischer als der Rest von Deutschland.

Ist in Berlin ein Burger entstanden, den Sie vorher nicht im Repertoire hatten? Oder ist Ihr Konzept so gut, wie es ist?

Es gibt Standard-Burger, und ich lege Wert auf Regionalität – also gibt es keinerlei Abstriche, sondern eher Zugeständnisse an die Region. Mein Fleisch kommt vom Biohof Zempow in Brandenburg. Meine Brötchen kommen von einem Berliner Bäcker. Das ist Teil des Konzeptes.

Sie haben gerne jedem Ihrer Gäste das Restaurant im 25hours kommuniziert. Unter dem Motto „Urban Jungle“ haben Sie viele neugierig auf das neue Gebäude gemacht. Jetzt sitzen wir hier oben. Ist es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Es ist besser! Die Aussicht, allein das Gewächshaus sieht jetzt schon gut aus und wird gerade bepflanzt. Die Bar ist einmalig geworden und trifft genau den Punkt. Man bekommt jetzt schon den Vibe mit, der abends entsteht. Die Leute kommen nach dem Einkauf, oder Gäste nehmen einen Aperitif vor dem Essen. Immer wieder verändert sich das Publikum. Auch die Altersgruppe, sodass es am Ende eine richtig coole Bar wird, die gute Musik hat und in der sich jeder wohlfühlt. Kein Club, aber eine Bar mit guten Drinks und guter Musik.

Zum Restaurant namens Neni und dem Küchenkonzept – auf den Tischen liegen Karten, auf denen groß Balagan geschrieben steht?

Balagan heißt übersetzt sympathisches Chaos. Man stellt einfach verschiedene Speisen auf den Tisch und jeder greift zu. Das schafft eine besondere Atmosphäre, weil man Dinge teilt und es keine Menüabfolge gibt. Man bestellt, auf was man Lust hat und das kommt dann nach und nach. Wir arbeiten mit Haya Molcho zusammen. Sie ist in Tel Aviv geboren, aufgewachsen in Bremen, wohnhaft in Wien. Sie hat schon drei Kochbücher geschrieben. Wir haben viel aus ihren Kochbüchern umgesetzt und ein Konzept gemacht, das einem Markt ähnelt. Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist Kommunikation, es hat Familiencharakter, auch wenn Freunde miteinander speisen.

Was sind die Erfahrungen nach den ersten Tagen? Nimmt der Berliner das an?

Sehr gut. Wir hatten schon ein Bankett mit Leuten aus der Hotellerie, die für drei Tage hier waren und denen wir Mittag- und Abendessen serviert haben. Das fanden die sehr speziell, gerade weil wir keine Teller angerichtet haben. Das Konzept passt zu Berlin. Die Stadt braucht nicht noch ein weiteres italienisches Restaurant, auch kein weiteres Steakhouse. Hier gibt es Tel-Aviv-Style, der sehr kosmopolitisch ist, mit Einflüssen aus New York. Wir haben als Entwicklungsteam eine Reise nach Tel Aviv gemacht und haben uns bewusst Orte mit Streetfood, nicht zu verwechseln mit Fastfood, ausgesucht, wo man draußen an einer langen Tafel sitzt und Kellner etwas rausbringen, wo man dann einfach zugreift. Das Gefühl wollten wir hier weitergeben. Es ist eine sehr erdige Küche mit frischen Komponenten. Sehr ursprünglich in der Darbietung.

Ist das Bikini Haus in der gegenwärtigen Form in der Metropole Berlin angekommen?

Für uns als Hotel auf jeden Fall. Und auch als Shopping-Erlebnis wird es das. Daran glaube ich sehr fest. Es wird eine natürliche Ergänzung zu dem sein, was sonst hier ist. Auf der anderen Seite des Ku’damms hat man die großen Einkaufshäuser und Ketten, weiter runter viel High-End. Und wir werden hier eine exklusive Design-Location sein.

Waren Sie nie skeptisch und hatten überlegt, nach Mitte oder Prenzlauer Berg zu gehen? Warum der alte Westen?

Die meisten Leute haben den alten Westen immer unterschätzt und stiefmütterlich behandelt. Die Kaufkraft steckt aber immer noch hier. Ich wohne in Charlottenburg und man fährt zum Essen nicht einfach mal nach Mitte oder in den Prenzlauer Berg. Das merke ich selbst. Man will etwas in der Nähe haben. Ich glaube, dass wir mit unserem Konzept die Leute aus Mitte und Prenzlauer Berg hier wieder herholen können. Die fahren alle schon mal zum Zoo und wieder zum Ku‘damm. Wir haben eine spektakuläre Aussicht und dazu ein tolles Produkt. Außerdem kann man direkt in den zehnten Stock zu uns fahren, ohne durch das Hotel-Labyrinth zu irren. In unserer Speisekarte sind fast alle Gerichte in Groß und Klein zu wählen. Zu zweit kann man drei, vier, fünf Gerichte auswählen. Das haben wir bewusst so gemacht, um den Leuten die Hemmschwelle zu nehmen.

Was ist an den Berlinern anders? Die Sparsamkeit und dass sie so wenig fürs Essen ausgeben wollen?

Wahrscheinlich. (lacht) Das hat aber nichts mit den Berlinern zu tun, sondern mit dem umkämpften Markt. Viele wollen hier ihr Glück versuchen und es ist einfacher, zu einem günstigen Preis zu verkaufen. Wenn man an die berühmten Currywurst-Händler denkt, da sind einige sehr teuer, da kostet eine Currywurst 2,50 bis 3 Euro, und dann gibt’s welche, die verkaufen für 1,50 Euro.
Da frage ich mich immer: Was ist jetzt gut? Ist es der Preis oder die Currywurst? Ich zahle lieber mehr für gute Qualität.  Aber ich mag an den Berlinern die Barschheit. Daran muss man sich gewöhnen, wenn man vom Rheinland kommt,  da sind immer alle nett zueinander.

Berliner können auch nett sein …

Am Niederrhein würde man jeden grüßen, der einem entgegenkommt (lacht). Hier laufen die Leute aneinander vorbei. Aber das ist in New York nicht anders.

Interview: emh; Foto: Claudia Konerding


Burger de Ville, Monkey Bar, Neni Restaurant im 25hours Hotel – Bikini Haus, Budapester Straße 40, Berlin-Charlottenburg, Tel. +49 30 120 22 12 00, www.25hours-hotels.com


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