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Interview

Matthias Platzeck | „Schnelllebig und rabiat“

       05. Mai 2014       

Er war nach der Wende in allen Brandenburgischen Landesregierungen vertreten und mehr als zehn Jahre lang Ministerpräsident. Aus gesundheitlichen Gründen hat Matthias Platzeck im letzten Sommer seine politischen Ämter aufgegeben und ist seither „nur noch“ Abgeordneter im Brandenburgischen Landtag. Im Interview spricht er über sein Image als Deichgraf, seine größten politischen Erfolge und über Heldentaten in der Politik 

 

Herr Platzeck, braucht die Politik Helden?

Der Begriff ist in Verruf geraten, weil er im 20. Jahrhundert oft missbraucht wurde. Heldenmythos und Heldenkult waren ja zentrale Themen der nationalsozialistischen Propaganda. Außerdem klingt der Begriff ein bisschen altmodisch. Helden passen nicht so richtig in unsere moderne Begriffswelt. 

Der „Spiegel“ hat Sie vor einiger Zeit mal als „Held im Havelland“ bezeichnet – können Sie damit etwas anfangen? 

Eher nicht. Ich finde es schwierig, den Begriff auf mich selbst anzuwenden. Da denke ich gleich an Siegfried und die Nibelungensage.  

Als Brandenburger Umweltminister sind Sie beim Oder-Hochwasser 1997 deutschlandweit bekannt geworden. War Ihnen damals schon klar, dass die Fernsehbilder ein besonderes  Bild von Ihnen prägen würden?

Das Hochwasser war eine extreme Ausnahmesituation. Damals ist der Deich südlich von Frankfurt gebrochen, wir mussten viele Menschen evakuieren und vier Wochen lang gab es die akute Gefahr, dass der Lebensraum von 20.000 Menschen im Oderbruch überflutet wird. In dieser Situation hatten alle, die damals vor Ort waren, mich eingeschlossen, weder Kraft noch Lust, neben dem, was jeden Tag getan werden musste, auch noch über das eigene Erscheinungsbild nachzudenken. Und außerdem dürfen Sie nicht vergessen, dass die erste Oderflut mittlerweile fast 20 Jahre zurückliegt. Damals waren wir im Osten noch nicht so besonders medienerfahren. 

Danach hat man sie oft den „Deichgraf“ genannt. 

Das kam einige Zeit später. Den „Deichgraf“ hat eine Boulevardzeitung kreiert, und danach haben andere Medien den Begriff übernommen. Später hat es während meiner Amtszeit als Ministerpräsident immer wieder sogenannte Jahrhundertfluten gegeben, 2002, 2006, 2010 und 2013, deshalb hat sich der „Deichgraf“ in den Medien gehalten. Meine letzte Amtshandlung als Ministerpräsident vor dem Schlaganfall im vergangenen Sommer war übrigens das Abschlussgespräch mit den Sicherungskräften des Elbehochwassers in Perleberg. Irgendwie wollte es das Schicksal, dass meine letzte Amtshandlung mit einer Flut zu tun hatte. Das Hochwasser bildet – wenn Sie so wollen – einen Spannungsbogen für meine politische Laufbahn. 

Bei Ihren Hochwassereinsätzen ist ein Image entstanden – nah bei den Menschen, tatkräftig, engagiert. Hat Ihnen das später in ihrer politischen Laufbahn als SPD-Politiker genutzt? 

Das Hochwasser hat das Bild mitgeprägt, aber das politische Geschehen ist viel zu schnelllebig und zu rabiat, als das so etwas in der Politik lange trägt. Nach meiner Zeit als Umweltminister in Brandenburg war ich vier Jahre lang Oberbürgermeister in Potsdam. In dieser Funktion musste ich Entscheidungen wie die Schließung der Philharmonie treffen, die in der Stadt heftige Proteste hervorgerufen haben. Da hat hier keiner mehr von der Oderflut gesprochen oder von der Arbeit als Umweltminister für unsere mittlerweile sehr geschätzten Naturschutzgebiete. 

Gab es für Sie Vorbilder oder Menschen, die Sie auf Ihrem Weg in die Politik inspiriert oder motiviert haben? Sozusagen „persönliche“ Helden?

Was Willy Brandt mit seiner Ostpolitik geschafft hat, war in meinen Augen eine herausragende politische Leistung. Heute vergisst man leicht, dass das damals ein extrem umstrittener Politikentwurf war, den er gegen große Widerstände durchsetzen musste. In diesem Zusammenhang würde ich auch Gerhard Schröder nennen. Ohne die Agenda 2010 hätten wir heute eine höhere Arbeitslosigkeit und wahrscheinlich finanzielle Sorgen wie in Frankreich. Natürlich hatte die Agenda auch Fehler, etwa im Bereich der Leiharbeit, aber die grundsätzliche Idee, unser Land wettbewerbsfähiger und weltoffener zu machen, hat uns viel gebracht, und Kanzler Schröder hat viel dafür riskiert.  

Müssen Politiker die Fähigkeit haben, in bestimmten Situationen „heroisch“ über sich hinauszuwachsen? Oder ist das in der Politik sogar ein Dauerzustand? 

Man muss fröhlich im Herzen sein, dann steht man das gut durch (lacht)…Im Ernst: Neulich habe ich mit einer jungen Nachwuchspolitikerin gesprochen, die in Potsdam Stadtverordnete werden will. Das ist ein zeitraubender Job, man muss viele Abende in Ausschüssen sitzen, macht sich obendrein mit manchen Beschlüssen bei seinen Nachbarn und Freunden unbeliebt, und man bekommt kein Geld dafür. Wir finden immer schwerer Leute, die bereit sind, über ihre privaten Interessen hinaus auch gesamtgesellschaftliche Interessen zu vertreten. Wenn überhaupt, dann kommt – um den Beginn unseres Gesprächs aufzunehmen – es modernem Heldentum nahe, das freiwillig zu tun. Auf den höheren politischen Ebenen werden die Aufgaben und Verantwortlichkeiten dann abstrakter. Natürlich gibt es da eine noch größere zeitliche Beanspruchung und viel Druck, aber die größte Herausforderung für jeden Politiker ist der direkte Kontakt zu denen, die von den eigenen Entscheidungen unmittelbar betroffen sind.

Auf welche politischen Erfolge sind Sie besonders stolz?

Zum Dienstantritt als Ministerpräsident 2002 lag die Arbeitslosigkeit in Brandenburg bei 20 Prozent, das Land hatte hohe Schulden. Mein Wunsch war damals, dass wir die Arbeitslosigkeit in den einstelligen Bereich drücken und als Land keine neuen Schulden mehr aufnehmen – beides ist gelungen, wir zahlen inzwischen sogar Schulden zurück. Außerdem bin ich froh, dass in Brandenburg die Zeiten der massiven Abwanderung von jungen Leuten vorbei sind. Früher verloren wir jedes Jahr 20.000 Menschen, inzwischen haben wir in Brandenburg einige Heimkehrerclubs für Menschen, die es hierher zurückzieht. 

Und welche Dinge sind nicht so gelaufen, wie Sie gehofft haben? 

Einer meiner Wünsche als junger Ministerpräsident war, dass ich in meiner Amtszeit einen funktionsfähigen Flughafen Berlin-Brandenburg erleben wollte. Das ist leider nicht gelungen. 

Woran lag es, dass alle viel zu lang an einem völlig unrealistischen Eröffnungstermin festgehalten haben? 

Die noch heute aktuellen, wesentlichen Probleme des Flughafens betreffen vor allem den Steuer-, Mess- und Regelungsbereich – also Schaltszenarien, die nicht funktionieren, Kabelstränge und Brandschutzklappen, die nicht regelgerecht sind. Das war von außen nicht erkennbar. Hinzu kamen Auskünfte durch die Geschäftsführung, demnach war alles beherrschbar. Was man sehen konnte, sah ordentlich aus und lag im Plan – der rein bauseitige Fortschritt von Piers und Zentralhalle, die Grünanlagen, die Straßen, das ist ja alles fertig. Im Rückblick kann man sagen, dass man viel früher viel mehr Misstrauen gegenüber der Geschäftsführung hätte haben müssen. (…)

(Interview: Oliver Burgard, Foto: Katharina Bohm)

 

Die vollständige Version der Interviews lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von „Der Fritz – das Magazin für Kultur und Lebensart“

 

 


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