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Interview

Nicola Galliner & Silke Azoulai | „They tried to kill us, we survived, let’s eat“

       14. März 2016       

Das Jüdisches Filmfestival Berlin & Brandenburg kann nach Wochen der Unsicherheit aufatmen. Am Wochenende hat das Auswärtige Amt unter Außenminister Frank Walter Steinmeier, nach eingehenden Gesprächen mit dem Festivalteam, eine Notförderung für das Jahr 2016 zugesagt. Das Jüdische Filmfestival Berlin & Potsdam feierte im letzten Jahr seine 21. Ausgabe und widmete sich unter dem Motto „Lecker Film – Filme die aufstoßen“ den Facetten jüdischer Lebenswelten. Überraschend wurden die Bundesmittel über 100.000 Euro gestrichen. Damit war nur drei Monate vor seiner geplanten Eröffnung am 4. Juni 2016 das Festival unmittelbar in seiner Existenz bedroht. Glückwunsch: erst mal ist die Kuh vom Eis, wie man so schön sagt. Das ist uns Anlass, das Interview vom letzten Jahr noch einmal zu veröffentlichen. Die beiden Macherinnen Nicola Galliner und Silke Azoulai haben großartiges geleistet und sind bisher immer optimistisch geblieben.

 

Das Jüdische Filmfestival existiert seit 21 Jahren. Was hat sich gravierend verändert?

Galliner: Die Größe. Wir haben mit acht Filmen angefangen, die wir in einem Kino gezeigt haben. Dieses Jahr zeigen wir über 35 Filme in 11 Kinos.

Azoulai: Wir haben über 50 Vorführungen.

Seid ihr beide von Anfang gemeinsam Initiatoren gewesen?

Galliner: Eigentlich ist es mein Kind. Mein zweites Kind – das echte Kind ist 31 Jahre alt. Azoulai: Ich bin 2008 dazu gekommen.

Wie habt ihr euch gefunden?

Galliner: Durch Henryk M. Broder. Ein guter Freund. Silke hat erzählt, dass sie nach Berlin zurückkommt, und Henryk dachte sofort, dass wir beide gut zusammen passen würden. Ich habe sie gefragt‚ kannst du hebräisch? Sie kann es und das ist sehr hilfreich.

Ihr bezeichnet euer Filmfestival als Jüdisch.

Azoulai: Ungefähr ein Drittel unserer Filme sind israelische Filme. Alle, die Filme machen, seien sie jüdisch oder nichtjüdisch, haben die Möglichkeit, dabei zu sein. Es hat viel mit dem Thema des Films zu tun.

Galliner: Der Filmemacher kann ein Inuit sein, aber der Film sollte ein jüdisches Thema haben. Dann ist das für uns interessant.

Was bedeutet für euch Judentum?

Galliner: Für mich bedeutet Judentum ein Stück Heimat.

Es existiert das Klischee, dass Juden sehr familiär sind, große Feste feiern und gerne gut essen.

Azoulai: Auch viel Essen.

Galliner: Man könnte die Feiertage auch unter dem Motto sehen: „They tried to kill us, we survived, let's eat“.

Israelische Küche erlebt in Berlin gerade einen Trend. Wie erklärt ihr euch das?

Galliner: Es ist ein ganz unglaublicher Wendepunkt der Geschichte. Ich bin 1970 nach Berlin gekommen. Wenn ich jüdischen Leuten damals gesagt habe, ich wohne in Berlin, gingen die rückwärts weg, als ob ich eine ansteckende Krankheit hätte. Deutschland war lange ein Tabu.

Eine ganze Generation ist nicht nach Deutschland gekommen, weil sie es verabscheut haben, weil Schmerz und auch Erinnerungen wachgerufen wurden.

Galliner: Jetzt gibt es eine neue Generation von Israelis, die insbesondere von Berlin fasziniert ist. Natürlich sieht man auch junge Deutsche in Israel, aber mir scheint, als wäre es eher eine einseitige Liebeserklärung.

Es reisen doch Deutsche nach Israel und staunen und genießen die dortige Esskultur.

Galliner: Es existiert eine große Vielfältigkeit, ich finde die Restaurants fantastisch.

Azoulai: Man steht auch schon mal mitten in der Nacht Schlange vor angesagten Restaurants in Tel Aviv. Aber natürlich gibt es auch in Haifa, Jerusalem und anderen Orten in Israel hervorragende, sehr innovative Küche.

Beschreiben sie doch mal das Essen, damit wir neidisch werden.

Galliner: In Haifa gibt es ein Restaurant, das spezialisiert ist auf Rindfleisch. Gegrilltes Fleisch in allen Variationen – und einfach nur einen Salat dazu!

Azoulai: Ich finde die kleinen Fischrestaurants unten am Hafen sehr gut. Ich genieße es aber auch, wenn man an großen Tischen sitzt und zehn Sprachen hört, weil die Gäste aus aller Welt kommen.

Ist die israelische Küche eine andere als die jüdische Küche?

Galliner: In Deutschland denken viele bei jüdischer Küche eher an koschere, osteuropäische Küche: An Braten, Aufläufe, an gefillte Fisch usw. Sehr vereinfacht bedeutet koscher z. B., dass man kein Schweinefleisch oder Schalentiere konsumiert und Milch und Fleischprodukte nicht zusammen isst.

Nochmal ganz kurz zum Film. Welche Tendenzen sind erkennbar?

Galliner: Anfangs, also 1995, haben viele den israelischen Film nicht ernst genommen. Mittlerweile genießt er weltweite Anerkennung und wird in Cannes prämiert. Die Israelis sind wirklich filmbesessen. Es gibt in diesem kleinen Land rund 14 Filmschulen. Im Laufe der letzten Jahre kamen viele gute Filme mit jüdischer Thematik aus Frankreich. Darunter viele Komödien. Auf der anderen Seite verlassen viele Juden Frankreich, aufgrund des zunehmenden Antisemitismus.

Azoulai: Von der Ästhetik hat sich natürlich auch viel verändert. Für uns macht die Digitalisierung es ein bisschen leichter in Bezug auf den Transport von Kopien.

Und was ist euer Lieblingsfilm?

Galliner: Einen Lieblingsfilm gibt es nicht, jedoch bleiben natürlich manche Filme in besonderer Erinnerung. So haben wir vor einigen Jahren das Festival mit einem englischen Dokumentarfilm über Richard Wagner eröffnet. Der Film ist von dem englischen Multitalent Stephen Fry. Er ist jüdisch und liebt Wagner und hat damit ein Problem. Deshalb hat er einen 90-minütigen Dokumentarfilm darüber gemacht. Ich bin kein Fan von Wagner, aber der Film ist so hinreißend, dass man ...

Azoulai: ... danach Wagner hören möchte. Danach möchte man nach Bayreuth. Wir konnten ein bisschen helfen, den Film an einen deutschen Verleih zu vermitteln. Ja, das ist ein wunderbarer Film.

Interview: Eva-Maria Hilker, Foto: Henning Köstler

 

 


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