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Berlin und Dubai

Patricia Liebscher und Christian Singer | „Wir versuchen Passion und Leidenschaft zu vermitteln“

       10. Februar 2017       

Patricia Liebscher und Christian Singer sind nach Dubai ausgewandert. Mit Tim Raue verbindet die beiden eine lange berufliche Zusammenarbeit. Deshalb haben sie es auch geschafft, das Dragonfly by Tim Raue in Dubai zu etablieren. Autorin Lotta Herrgesell war vor Ort und hat nachgefragt, wie in der arabischen Welt ein europäische Restaurantkonzept funktioniert

Das Dragonfly ist die erste internationale Dependance von Tim Raue. Wie kam es dazu? Warum Dubai?

Patricia Liebscher: Vor zwei Jahren haben Tim Raue und Christian Singer die Verantwortlichen der Investorengruppe Meraas auf einer internationalen Veranstaltung der Gastronomie kennengelernt. Sie kamen ins Gespräch – und herausgekommen ist das Dragonfly.

Was hat Euch gereizt, diese Herausforderung in Dubai anzunehmen?

Liebscher: Internationale Erfahrung sammeln zu können, in einem neuen Umfeld und einem neuen Land, und die Marke Tim Raue weiter aufzubauen – das hat uns gereizt.

Ihr habt beide einige Jahre eng mit Tim Raue gearbeitet. Wie verändert sich jetzt das Verhältnis zu ihm?

Christian Singer: Es hat sich kaum etwas verändert, außer dass jetzt mehrere Kilometer zwischen uns liegen. Doch Dank heutiger Kommunikationstechnik sind wir in ständigem Kontakt.

Ihr habt mit einer Verzögerung von nur einem Monat das Restaurant eröffnet. Das ist für diese Region ungewöhnlich pünktlich. Wie habt ihr das geschafft?

Liebscher: Wir haben viel schon von Berlin aus organisiert, da auch das meiste unseres Equipments direkt aus Deutschland kommt und wir in allen Restaurants mit den gleichen Firmen zusammenarbeiten, wie Lohberger für die Küche, ASA für Porzellan und Schott Zwiesel für Gläser und Layout.

Die Lampions an der Decke, die Wand, die Sitzbezüge: Alles ist in kräftigem Rot gehalten. Wie kam es zu diesem wuchtigen Statement?

Liebscher: Das Design wurde von dem Berliner Innenarchitekturbüro Bruzkus und Batek in Zusammenarbeit mit Tim Raue entworfen. Es spiegelt die Idee eines chinesischen Theaters wider.

Die Speisekarte ist – mit Aus­nahme des Schweinebauchs – eine Art Best-of des Kreuzberger Stammrestaurants. Gehen hier dieselben Gerichte besonders gut wie in Berlin?

Singer: Oh ja, auch hier ist der Wasabi Kaisergranat einer der Lieblinge.

Die große Mehrheit der Bevölkerung in den UAE ist internationaler Herkunft, das Restaurant liegt in einem eher von Arabern bewohnten Viertel. Wie ist euer Publikum zusammengesetzt?

Liebscher: Es ist eine Mischung aus Locals, Expats, Touristen, Foodies und Stammgästen.

Wie haltet ihr das Tim-Raue-Niveau in einer Welt, in der weder Küchen- noch Servicepersonal vergleichbar gut ausgestattet
bzw. ausgebildet sind wie in Deutschland?

Singer: Wir nehmen uns noch mehr Zeit für unsere Mitarbeiter, um ihnen alles in Ruhe zu erklären, lassen sie an allem teilhaben. Wir versuchen die Passion und Leidenschaft zu vermitteln, die uns tagtäglich antreibt.

Wir haben kaum etwas Gutes über die Zuverlässigkeit gehört. Was macht ihr, wenn mal eine Ware nicht rechtzeitig geliefert wird?

Singer: Zum Glück planen wir immer im Voraus. Es gibt immer einen Plan B.

Ist es schwierig Ware zu importieren?

Liebscher: Grundsätzlich nicht, man muss sich nur organisatorisch darauf einstellen, dass gewisse Produkte nur einmal in der Woche geliefert werden. Interessant wird es bei Neuimporten, also bei Produkten, die hier in Dubai noch nicht registriert sind. Das sind dann häufig monatelange Prozesse.

Werdet ihr euch auch von heimischen Gewürzen und Kräutern beeinflussen lassen?

Singer: Mit Sicherheit werden wir uns auf dem lokalen Markt nach Produkten umschauen, die eventuell auch zum Einsatz kommen. Unsere Aromenwelt werden wir aber nicht verändern.

Stimmt es, dass Ihr auch einen Food-Truck betreiben wollt?

Singer: Ja, allerdings dient der Truck mehr dazu, unsere Präsenz auf dem lokalen Markt zu steigern. Daher werden wir nur ein Gericht mit dem passenden Jine anbieten, das wöchentlich wechselt.

Gutes Stichwort: Wie kam es zu der Idee Jine?

Singer: Als wir erfahren haben, dass wir ein Restaurant ohne Alkohollizenz eröffnen, haben wir uns ein einzigartiges alkoholfreies Konzept zur Getränkebegleitung überlegt. Daraus sind dann unsere sogenannten Jines entstanden. Das Wort Jine steht für juice und wine und bedeutet kurz gesagt, einzigartige Getränke auf Saftbasis in der Atmosphäre eines Weins zu präsentieren.

Wie viele Sorten bietet Ihr an, wie klappt es mit dem Pairing?

Singer: Derzeit bieten wir 14 verschiedene Jines an (4 x Weiß, 4 x Rose, 4 x Rot, 2 x Süß), also ebenfalls gestaltet wie eine Weinkarte. 80 Prozent unserer Jines sind abgestimmt auf unsere derzeitigen Gerichte.

Wie wird Jine angenommen?

Liebscher: Sehr positiv. Wir hatten durchaus auch skeptische Gäste, die wir allerdings bislang alle durch die einzigartige Aromenwelt überzeugen konnten.

Wie ist die Umstellung aus dem bunten Berlin in die arabische Vielfalt für Euch persönlich?

Singer: Die Umstellung ist deutlich intensiver als erwartet. Es braucht schon seine Zeit, um sich an das neue Umfeld zu gewöhnen. Dubai ist für ein muslimisches Land vergleichsweise modern geführt – mehr Frauen als Männer studieren, es gibt Ministerinnen, Richterinnen und Kampfpilotinnen.

Erlebt ihr, vor allem du, Patricia, im Alltag einen anderen Umgang als in Berlin?

Liebscher: Grundsätzlich nicht, aber auch hier gibt es Unterschiede, da sich Expats und Locals in ihrem Verhalten auf Grund der Religion sehr unterscheiden. 

Wie sieht euer Alltag außerhalb des Restaurants aus?

Singer: Viel Alltag außerhalb des Restaurants ist im Moment noch nicht vorhanden. Aber das angenehme ist, dass in Dubai sich viel nachts abspielt. Daher können wir nach Feierabend problemlos noch etwas essen oder trinken gehen.

Internationale Ableger ziehen die Kerncrew gerne nach ein paar Monaten ab. Wie lange wollt ihr bleiben? 

Liebscher: Das ist im Moment noch nicht absehbar.

Seht ihr euch als Vorreiter deutscher Kochkunst in der arabischen Welt? 

Singer: Nein.

Was vermisst ihr an Berlin?

Singer: Die Cordobar. Natürlich unsere Familie und Freunde, aber auch die Freiheit und Flexibilität in jeder Lebenslage.

Interview und Fotos : Lotta Herrgesell

Dragonfly by Tim Raue Building 5, Boulevard, City Walk Dubai, Telefon +971 43 42 70 44,  www.dragonfly.ae


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