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Interview

Paul Salamone und Caroline Clifford | „Es gelingt mir selten, mich mit Stift und Papier hinzusetzen, um Witze zu schreiben“

       18. November 2013       

Der US-Amerikaner Paul Salamone und die Britin Carolin Clifford gehören zu den umtriebigsten Vertretern von Berlins englischsprachiger Comedyszene. Jeden Dienstag veranstalten sie „We are not gemüsed“, ihre englischsprachige Comedy-Show im Sameheads. Im Interview sprechen die Comedians über ihren Weg auf die Bühne, Schreibblockaden und die Zukunft des Genres Stand-Up-Comedy.

Liebe Caroline, lieber Paul, ihr seid Comedians und wisst mittlerweile um euren Humor. Welcher Umstand hat euch eigentlich dazu gebracht, witzig zu sein?

Clifford: Während meiner Schulzeit mochte mich niemand und so versuchte ich wenigstens witzig zu sein. Dafür hassten sie mich umso mehr. Doch während sie lachten hatten sie zumindest keine Zeit mich zu schlagen. Mein erster geplanter Witz war eine Slapsticknummer. In meiner Jugend spielte ich viel Tennis. Einen Tennisball konnte ich jahrzehntelang auf einem Schläger springen lassen. Nach einer gewissen Zeit habe ich so getan, als ob mir der Ball mit voller Kraft ins Gesicht fliegt. Die Nummer hat jedes Mal Riesenlacher kassiert. Damals hätte ich wahrscheinlich einen großartigen deutschen Comedian abgegeben.

 

Salamone: Bei mir war es der immerwährende Wettkampf mit meinen drei Brüdern, sich beim Abendessen durch einen verdammt guten Witz zum Verschlucken oder Spucken zu bringen. Meine Eltern spielten dabei die unbeteiligten Erziehungsberechtigten. An Samstagen veranstalteten wir sogar familieninterne Talentwettbewerbe. So kam es zur ersten aufgeführten Nummer. Ich spielte einen der großartigsten Sketche aller Zeiten nach: „Who's on first“ von Abbot & Costello. Darin reden beide über die Aufstellung ihres Baseballteams. Auf der ersten Base spielt „Wer“, auf der Zweiten „Was“ und auf der Dritten „Ich weiß es nicht“. Diese Duo-Nummer habe ich dann dummerweise ganz alleine aufgeführt.

 

Es existiert eine schier unüberschaubare Auswahl an Arbeitsbüchern und Kursen zum Thema „Wie werde ich Stand-Up-Comedian?“ Ist das überhaupt eine Fähigkeit, die man erlernen kann?

 

Clifford: Wenn du bereits ein humorvoller Mensch bist, gibt dir das ohne Zweifel einen großen Vorsprung. Natürlich macht dich ein muskulöser Körperbau zu einem besseren Bodybuilder, schließt aber nicht aus, dass du durch gezieltes Training ein angesehner Sprinter werden kannst. Jeder kann mit dem richtigen Lehrer alles lernen. Ich selbst habe erst letztens einen Stand-Up-Comedykurs von Logan Murray besucht

 

Salamone: Diesen Kurs habe ich auch besucht und muss sagen, dass er meinem Humor geschadet hat. Im Anschluss erlebte ich den schlimmsten Auftritt meines Lebens. Wahrscheinlich, weil ich plötzlich an meinen Bauchgefühl gezweifelt habe.

 

Mehrmals wöchentlich seid ihr zu Gast auf zahlreichen Bühnen Berlins. Stammgäste erwarten neues Material. Welche Methoden nutzt ihr, um euer leeres Blatt beschreiben zu können?

 

Salamone: Bis jetzt habe ich den sicheren Weg zu neuem Material noch nicht gefunden. Das macht mich wahnsinnig. Manchmal laufe ich durch mein Zimmer, rege mich laut auf und schreibe in mein Notizbuch. Es gelingt mir selten, mich mit Stift und Papier hinzusetzen, um Witze zu schreiben. Am ehesten funktioniert es, meine aufgezeichneten Auftritte anzuhören und mit dieser Energie als Grundlage neues Material zu generieren.

 

Clifford: Man sollte jeder witzigen Idee erlauben, witzig sein zu können. Der Ursprungsgedanke ist ein sicheres Fundament auf dem man immer neue Ideen aufstocken muss, um in der hintersten Ecke des Dachstuhls eine halbe Minute Material für den nächsten Auftritt zu finden.

 

Eure hauseigene Show „We are not gemüsed“ wird immer erfolgreicher. Gleichzeitig tourt ihr regelmäßig durch ganz Europa. Es hört sich an, als hättet ihr das Unmögliche geschafft: Ihr könnt von eurer Kunst leben.

 

Clifford: Wenn ich meinen Lebensstil noch weiter herunterschrauben würde, könnte es reichen. Aber was soll ich sagen? Ich mag meine Cappuccinos!

 

Salamone: Ich mag meine Felle, den teuren Schmuck und die Überlandfahrten in meiner Limousine.

 

Clifford: In London hatte ich einen gutbezahlten Job als Webseitenprogrammiererin. Da fällt es mir schwer mich auf den Lifestyle eines Berliner Obdachlosen einzulassen. Obwohl mir das vielleicht bevorsteht. Gerade wurde ich von meinem Berliner Job gefeuert, weil ich faul geworden bin.

 

Salamone: Bevor ich von meinem Job als Designer gekündigt wurde, hatte ich eine 40 Stunden Woche, jeden Abend einen Auftritt und jede Minute zwischendurch zum Schreiben. Ich wäre fast gestorben. Nach einer Show hatte ich viel Schnaps getrunken und keine Zeit mich umzuziehen, sodass ich am nächsten Morgen mit einem riesigen Fleck Kotze auf der Hose im Meeting mit dem Firmenchef saß. Anstatt mich zu feuern, gab er mir eine Gehaltserhöhung.

 

Das Klischee, das viele Zuschauer bei Stand-Up-Comedy im Kopf haben, ist ein Kerl mit einem Mikrofon, der über seine Genitalien redet. Welche Zukunft hat das Genre überhaupt bei dieser ernüchternden Einschätzung?

 

Clifford: Das Edinburgh-Festival konnte unseren Comedyhorizont entsetzlich erweitern. Wir haben Gameshows, erfolgreichen Einsatz von Videoelementen, nonverbale Shows und eine Unzahl neuer Ideen auf der Bühne gesehen. Allesamt Dinge, die man theoretisch als unmögliche Konzepte einfach verwerfen würde.

 

Salamone: Um neue Ideen zu bekommen muss man sich von den eigenen Sehgewohnheiten entfernen. Nur weil der erfolgreichste Comedian unserer Zeit Loius CK heißt, ist das nicht der einzige Weg witzig zu sein. Wir sind hier verdammt nochmal in Berlin! Wenn man kreativ sein darf, sollte man sich auch anstrengen kreativ zu sein.

 

(Interview und Fotos: Heinrich Lipner)

 

„We are not gemüsed“, jeden Dienstag im Sameheads, Richardstraße 10, Berlin-Neukölln, www.facebook.com/gemused

 

 

 


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