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Strreet Food Culture

Richard Johnson | „Streetfood-Händler sind tolle Menschen, ich liebe sie“

       20. Mai 2017       

Dieses Jahr zum ersten Mal in Berlin. Die Besten der Besten aus der europäischen Streetfood-Szene treten im Sommer gegeneinander an. Richard Johnson über die aktuelle Situation der Branche

Wie kamen Sie zum Food-Jour­nalismus?

Richard Johnson: Ich habe damals für die Sunday Times in London gearbeitet, verschiedene Menschen interviewt, spannende und seltsame Dinge auf der ganzen Welt erlebt. Zum Beispiel war ich auf einem „Native Rock Festival“ in Michigan oder mit einer Band auf Tour. Der Independence, einer anderen Tageszeitung aus England, gefiel meine Schreibweise und fragte deshalb an, ob ich genau so auch über Essen schreiben könnte. Also wurde ich Food- und Drink-Kolumnist. Während ich also durch die Welt gereist bin, traf ich immer wieder auf Streetfood und dachte: das sollten wir zuhause auch machen. Streetfood schien wie ein ganz natürliches Ding für Großbritannien. Ich glaube, dass wir viel unserer Esskultur im Zweiten Weltkrieg verloren haben. Durch die industrielle Produktion war Menge wichtiger als Qualität, und als Konsequenz gingen viele traditionelle Gerichte und Techniken verloren. Deshalb ist es wichtig, eine neue Esskultur zu entwickeln und zu etablieren, indem wir von Immi­granten lernen und versuchen, mit all unseren Mitteln etwas eigenes zu kreieren. Mit diesen Gedanken entstanden 2009 die British Street Food Awards.

Wie stehen Sie persönlich zum Essen? Gehen Sie lieber in Res­tau­rants, auf Streetfood-Märkte, kochen Sie gern selbst?

Ich liebe Restaurants. Und ich liebe es auch, draußen zu essen. Wenn ich gerne mit meinen Freunden zusammen kommen, mit ihnen abhängen und einfach Spaß haben will, dann ist ein Streetfood-Markt genau das Richtige. Wenn ich aber Lust darauf habe, mich schick anzuziehen und elegant essen zu gehen, geht das nur in einem Restaurant und nicht an einem Foodtruck.

Warum ist Streetfood momentan so beliebt?

Als wir mit den British Street Food Awards anfingen, bedeutete Streetfood einfach eine Kette von Händlern, die Essen verteilten. Wir versuchten ein kulturelles Event zu schaffen, bei dem es nicht nur um Essen geht. Die Trucks wurden zum Beispiel kreisförmig angeordnet, mit Bänken, DJs, einer Bar und Lichterketten, manchmal mit Feuerstellen. Es geht nicht nur um Essen. In einer Zeit, in der wir alle mehr und mehr vor Bildschirmen hängen, wird es immer wichtiger, menschlichen Kontakt zu suchen. Und ich glaube, dass unsere Kultur sich wieder dahin zurückbegibt. Zusammensitzen und quatschen, zusammen trinken und essen. „Companion“ bedeutet, mit jemandem das Brot zu teilen.

Streetfood ist an sich ja kein neues Phänomen, aber es scheint als würde ein Modernisierungsprozess stattfinden.

Zu Beginn hatte ich Sorge, dass Streetfood zum Trend werden würde – Trends kommen und gehen. Ich habe befürchtet, dass die modischen Männer und Frauen in ihren Skinny Jeans Hosen Streetfood für sich erklären und es zu einem „London“-Ding machen würden, sodass sich kein anderer mehr ’ran traut und das nach einiger Zeit ausstirbt. Das ist zum Glück nicht passiert! Stattdessen haben wir dadurch, dass wir immer mehr Menschen involvieren, eine neue Sparte im Food-Geschäft etabliert.

Es wird also immer wichtiger, wieder mehr Zeit mit Freunden und Familie zu bringen – und das in Kombination mit gutem Essen.

Essen ist so eine einfache Freude. Ich würde wetten, dass sich jeder auf einem Streetfood-Event wohlfühlen und eine gute Zeit haben kann. Du kommst mit Freunden oder deiner Familie, ihr teilt euch spannendes Essen, trinkt dazu was leckeres, genießt die Atmosphäre und die Musik. Das ist doch toll! Ich finde, so ein Markt hat nur Vorteile für unsere Gesellschaft.

Wer steht hinter den European Street Food Awards? Wie funk­tioniert die Nominierung?

Nun, das sind wir - von den British Street Food Awards. Wir haben mit Partnern in ganz Europa zusammengearbeitet und ein Event organisiert, bei dem die besten Streetfood-Händler des Kontinents zusammenkommen und gegeneinander antreten. Das alles findet am 30. September und am 1. Oktober 2017 im Bite Club in Berlin statt. Vorher führt jedes Land seinen eigenen Wettbewerb durch, um den dortigen Gewinner ins Finale zu schicken. Dort gibt es dann verschiedene Kategorieren – es kann also viele Gewinner geben! Zum Beispiel beste Hauptspeise, bestes Dessert, bester Drink. Wir haben Experten aus der Food-Industrie, die ihr Voting abgeben, und eine zweite Runde, bei der die Stimmen der Besucher zählen.

Welche Qualifikationen muss ein Teilnehmer Ihrer Meinung nach mitbringen, um eine dieser Kategorien zu gewinnen?

Originalität ist das erste Attribut. Es muss etwas Besonderes sein, irgendwie genial. Die Gewinner des British Street Food Award vor ein paar Jahren waren zum Beispiel Seadog aus Devon, die haben ein traditionelles Gericht aus Meeresfrüchten modernisiert, in dem sie die Muscheln mit Algenkruste frittierten und es Seaside-Popcorn nannten. Absolut köstlich! Und es hat ihre Heimat verkörpert, mit Fantasie und Witz. Das hat die Juroren umgehauen.

Originalität und Persönlichkeit hinter den Gerichten also.

Ich finde es einfach spannend zu sehen, was die besten Streetfood-Händler aus Europa aus ihrer Heimat mit in den Wettbewerb bringen. Die schwedische Version der British Street Food Awards zum Beispiel, Nordic Street Food, hat bewiesen, dass die regionalen Zutaten wirklich ein Alleinstellungsmerkmal sind. Das ist aufregend. Dazu die Idee, etwas Neues zu kreieren. Im Streetfood kannst du dein Menu in einem Moment ändern, indem du deine Gerichte von der Kreidetafel wischst. Die können blitzschnell ent­scheiden welche Produkte gut laufen, sind dadurch immer am Puls der Zeit und können viel besser auf ihre Kunden eingehen. Ich will also Einfallsreichtum und Kreativität sehen. Im Finale stehen die Besten der Besten – das zu machen, was alle anderen machen, ist nicht gut genug. Daher bin ich sehr gespannt, welche Kreationen uns erwarten werden.

Was nehmen die Gewinner am Ende des Tages mit nach Hause? Gibt es einen Preis?

Ich glaube, wenn man zum „Best of Europe“ gewählt wird, ist der Stolz der größte Preis. Andere Festivals und Food-Events werden sich darum reißen, diesen Aussteller für sich zu gewinnen. Investoren werden versuchen, das Konzept in ein Restaurant umzuwandeln.

Was macht Streetfood so besonders gegenüber herkömmlichen Imbissen oder auch Restaurants?

Am Anfang habe ich sofort festgestellt, dass die Qualität der Street­food-Gerichte so gut sein kann wie die im Restaurant. Heutzutage würde ich sogar behaupten, dass sie besser sind als in vielen Restaurants! Das liegt vor allem an der Zeit, die zwischen der Zubereitung des Gerichtes und dem Verzehr liegt. Wenn du also vor so einem Streetfoodtruck stehst und zugucken kannst, wie dein Burger auf den Grill gelegt, wie er zu Perfektion gebraten wird, sodass der Saft noch an der Seite runterläuft, immer noch leicht rot innen drin, der Käse schmilzt, die Zwiebeln drücken sich leicht ins Burgerbrötchen, bevor er über den Tresen in deine Hand gereicht wird und du reinbeißen kannst – das kann kein Restaurant so schnell. Es besteht großes Interesse, auch von medialer Seite, also hoffe ich, dass diese Bewegung weiterhin wächst. Die Streetfood-Händler sind tolle Menschen, ich liebe sie.

Die European Street Food Awards laufen unter dem Motto „Keeping it real“. Was bedeutet das für Sie?

In ganz Europa, vielleicht sogar auf der ganzen Welt, treten wir Lebensmittelkonzernen und ihren Interessen immer skeptischer gegenüber. Beim Streetfood stehst du der Person gegenüber, die das gesamte Geschäft ausmacht. Die macht das aus Leidenschaft. Es ist ein und dieselbe Person, die das Menü zusammenstellt, dein Essen zubereitet und serviert, dein Geld verdient. Die halten auch ihren Social Media Account aktuell, posten ihre Fotos auf Instagram, laden ihre Termine bei Facebook hoch. Sie entscheiden, wie sie sich präsen­tieren wollen. Das ist so echt wie es nur sein kann.

Also ist vor allem diese persönliche Verbindung zwischen Händler und Gast ein Erfolgsgeheimnis auf dem Streetfood-Markt?

Ja, total. Technisch gesehen ist Streetfood wie gesagt nichts anderes, als Essen, das auf den Straßen verkauft wird. Aber Herz und Seele des Streetfood ist meiner Meinung nach die Revolution, die in den letzten sechs oder sieben Jahren stattgefunden hat. Dabei geht es um Persönlichkeiten, die ihre Menüs präsentieren wollen, auf ihre bestmögliche Art und Weise. Sie sind mutig und hätten vielleicht gerne ein eigenes Restaurant, da fehlt aber das nötige Kapital. Oder sie haben keine Lust zehn Jahre in einer Restaurantküche zu arbeiten, bevor man ihnen die Produktion von Brötchen anvertraut. Das Leben hat sich verändert. Und vielleicht sieht so die Zukunft aus: mit Streetfood.

Auch die Food-Szene ist mal mehr und mal weniger politisch. In Zeiten des Brexit stellt sich daher natürlich die Frage, ob es für Streetfood eine Chance gibt, die Eingrenzungen dieser politischen Entscheidung zu durchbrechen?

Ich denke, es ist noch zu früh und vor allem zu schwierig, da eine Prognose zustellen. Aber meiner Meinung nach ist Großbritannien so ein kosmopolitisches Zusammenspiel vieler Länder, dass es sehr traurig wäre, wenn Menschen uns nun anders wahrnehmen würden. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das passiert. Wir haben so viel gemeinsame Kultur, Geschichte und Erfahrungen. Der Brexit wurde zwar entschieden, aber das ändert ja nichts an all diesen Dingen. Die Europäische Union ist eine Sache, Europa eine andere.

 

Interveiw Lisa Hertwig; foto Jason Alden

European Street Food Awards
30. September 12-22 Uhr,
1. Oktober 12-18 Uhr,
www.britishstreetfood.co.uk/european-street-food

Bite Club Season Launch
9.Juni, 14.Juli, 11.August, 9.September ab 17 Uhr,
Eichenstraße 4, Alt-Treptow, www.biteclub.de


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