31.10.2014

Kunstfestival NachtundNebel:

Von 18 bis 24 Uhr gibt es an rund

70 Kunstorten in Nord-Neukölln

Ausstellungen, Konzerte, Theater,

Lesungen, Performances, Partys uvm.

01.11.2014

Transatlantischer Vampirabend

in der Villa Aurora ab 20 Uhr:

Halloween mit Vorträgen, Gesprächen,

szenischen Lesungen und einem Kurzfilm.

Eintritt frei. Um Anmeldung wird gebeten.

31.10.2014

Buddhismus

ROBERT THURMAN | "Alle Menschen müssen glücklich werden. Das ist alles."

       25. April 2012       

Prof. Robert Thurman, Vater der Schauspielerin Uma Thurman und des berühmten Yoga-Experten Dechen Thurman und enger Freund des 14. Dalai Lama, war der erste zum tibetisch-buddhistischen Mönch ernannte Amerikaner. Wir trafen ihn anlässlich seines Seminars über den tibetischen Weg des Yogas zur Erleuchtung, Weisheit und Mitgefühl im Jivamukti Yoga Zentrum Berlin.

In einem früheren Interview sagten Sie einmal, dass Frieden durch inneren Frieden und Glück zu finden sei. Glauben Sie, dass Menschen die Yoga lediglich als Sport ansehen, ohne genaueres über die Philosophie von Yoga zu wissen, etwas damit erreichen können?

Ja, das glaube ich. Ich bin da sehr liberal. Auch wenn man Yoga als reinen Sport betrachtet, hilft es dem Körper. Das Bewusstsein der Menschen wird geschärft und sie können dadurch ihr Potential voll ausschöpfen. Die asiatische Psychologie ist viel komplexer als die europäische, sie ist auch tausende von Jahren älter, trifft aber auf Menschen weltweit zu. Yoga ist eine der wissenschaftlichen Disziplinen des fernen Ostens, die dabei hilft dass Körper und Geist zusammen arbeiten. Es schärft die Sinne, man wird selbstbewusster, fühlt sich besser und ist weniger krank. Alles in allem ist es der Gesundheit sehr zuträglich.

Finden Sie, dass die Menschen gewissenhafter mit ihrem Körper umgehen sollten?

Absolut! Der Dalai Lama pflegt zu sagen: 'Weltfrieden durch inneren Frieden'. Vor hundert Jahren war die Welt in einer ähnlich schwierigen Situation. Die Kommunisten waren die schlimmsten. Wir hatten Stalin, Mao - eine Menge schlechter Menschen, die Kriege anzettelten und sogar ihre eigenen Völker bedrohten. Die neue Revolution die wir heute brauchen, die wir heute haben, ist eine weibliche Revolution. Von friedlichen Menschen, geduldigen Menschen die sich mit den Dingen auseinandersetzen und nicht ausschließlich auf Materielles aus sind. Sie verstehen auch, dass Reiche Teil des Systems sind und hassen sie nicht für ihren Reichtum. Wenn man arm ist und zu mehr Wohlstand gelangt, wird man glücklicher. Aber wenn man gesellschaftlich einen Punkt erreicht hat, sagen wir Mittelschicht Niveau, wird man nicht glücklicher wenn man immer mehr anhäuft. Daher brauchen wir eine neue Form der Revolution, eine weisere und barmherzigere. Das ist Indiens große Lektion: das allumfassende Yoga des Lebens- wenn dein Inneres im Einklang ist kannst du auch mit der Welt bewusster umgehen.

Teilen Sie die Meinung, dass Tibets Unabhängigkeit ein großer Gewinn für dessen Nachbarländer, wie Indien, Burma und andere, wäre? Wenn ja, warum?

Ja, das tue ich. Tibet war immer unabhängig. Jemand der nicht in Tibet geboren wurde, kann dort nicht leben. Chinas eigene Wissenschaftler haben mit einem Team von finnischen, Schweizer und US-amerikanischen Kollegen, ein Gen entdeckt, welches Stickstoffmonoxid produziert. Dieses setzt Sauerstoff bei einer Höhe von drei Meilen frei. Die durchschnittliche Höhe des tibetischen Plateaus liegt bei 14.000 Fuss, das sind über 3000 Meter. Wer auf Höhe des Meeresspiegels lebt, kann dort nicht leben. Wenn China Tibet besetzen könnte, würden sie das tun. Jeder Versuch der Chinesen Tibet zu kolonialisieren, wird scheitern. Sie können ja keinen zusätzlichen Sauerstoff dort hin bringen. Der zweite Grund ist der dass alle Flüsse in China, Burma, Vietnam, Kambodscha, Thailand, Indien und Pakistan in Tibet entspringen. Wenn man die Umwelt dort ruiniert, indem man zu viele Bäume fällt, aus der Steppe eine Wüste macht und versucht dort Städte zu bauen, schmelzen die Gletscher und man ruiniert die Quellen der Flüsse. Das ist sehr gefährlich weil es dort Monsun Zyklen gibt. In der Trockenzeit sind die Gletscher erschöpft und wenn es keine Schmelze mehr gibt, würden die Menschen sterben, da es kein Wasser gäbe. Der Dalai Lama weiss, dass die Chinesen Tibet als ihr Eigen betrachten und er weiss, dass die Menschen in China fälschlicherweise davon ausgehen, dass Tibet schon immer ihr Eigen war. Er fordert daher den gleichen autonomen Status wie Hong Kong ihn hat. Wahre Autonomie steht Tibet im übrigen laut der chinesischen Verfassung zu. Es ist gegen das dortige Gesetz, ein ansässiges Volk in der riesigen chinesischen Bevölkerung zu unterdrücken. Mit einer kommunalen Autonomie wäre Tibet gerne Bestandteil einer chinesischen Föderation. Das sollte auch Taiwan angeboten werden. Die meisten Menschen in Taiwan wollen nicht von China „geschluckt“ werden. Sie wollen in China investieren, nicht aber von den Kommunisten kontrolliert werden.

Warum scheuen die Chinesen den direkten Dialog mit dem Dalai Lama?

Weil Sie schlecht beraten sind. Sie haben eine Public Relations Beratung aus dem 20. Jahrhundert. 'Wenn irgendjemand irgendetwas sagt - vernichte ihn!' Das ist deren PR Strategie.

Glauben Sie, dass es überhaupt jemals möglich sein wird, einen demokratischen Dialog mit einer kommunistischen Diktatur zu führen, die nicht nur den Frieden in Tibet bekämpft und Tibet seine Unabhängigkeit abspricht, sondern auch das eigene Volk unterdrückt und foltert?

Absolut. Deren Diktatur ist ziemlich schwach. Ihr eignes Volk hat die Nase voll von der Regierung. Auch wenn man an die Geschehnisse von 1989 am Tiananmen Platz denkt- die waren nicht nur in Peking, sondern in ganz China. Und der Fakt dass sie in der Lage waren, zur Diktatur zurück zu kehren, anders als die Russen, ist an sich die Schuld des Westens. Der Westen hat Russland verändert und sich geweigert weiterhin mit Russland zusammen zu arbeiten, wenn es nicht demokratischer wird.

Deutschland hat sich alles in allem gut verhalten, Amerika leider nicht. Dick Chaney dieser Idiot dachte, er könne die Welt erobern und die Russen mit der NATO unter Druck setzen. Anstatt im großen Stil in Russland zu investieren, haben sie in China investiert, wo Menschen umgebracht wurden und man zur Diktatur zurückkehrte. Dann fing China an, mit aller Welt Geschäfte zu machen, was ihnen eine Menge Geld eingebracht hat. Im Grunde haben wir China dafür belohnt, ihre Diktatur beizubehalten. Also wie können wir die Wirtschaft jetzt wieder aufbauen? Wie können wir die Welt wieder aufbauen? Alle Menschen müssen glücklich werden. Das ist alles.  

Interview: Marie Wellmann

Fotos: Jan Wirdeier (hipi)


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