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Interview

Sabine Toepfer-Kataw | „Wir hoffen, dass der Rat für gutes Essen Innovationen schafft“

       04. Dezember 2015       

Sabine Toepfer­-Kataw hat rund 30 Verbände und Organisationen an einen Tisch gebracht. Nach dem amerikanischen und britischen Vorbild hat nun auch Berlin einen sogenannten Rat für gutes Essen. Die Staatssekretärin für Verbraucherschutz in der Senatsverwaltung Justiz und Verbraucherschutz im Gespräch über ihre Intention und über das Netzwerk, das dahintersteht.

Wie wird man Staatssekretärin?

Indem der Senator oder das Team aus denjenigen, die als Senatoren in Frage kommen, Ihnen zutrauen, dass Sie Politik und Verwaltung zusammenbringen können. Und dann muss man meistens noch einer ähnlichen Partei angehören. Ich gehöre zur CDU und mein Senator ist ebenfalls CDU-Mitglied.

Wie ist der Rat zustande gekommen? Ist man an Sie herangetreten oder war es eine interne Überlegung?

Ich habe 2012 angefangen und bin sehr viel im Lebensmittelbereich unterwegs. Da wir auch für die Landwirtschaft zuständig sind, nehme ich an den bundesweiten Landwirtschaftskonferenzen teil. Dabei habe ich erfahren, wie anderswo Stadt-Land-Beziehungen funktionieren. Ich habe verschiedene Akteure kennengelernt, die mit verschiedensten Problemen zu kämpfen haben. Mein Gedanke war und ist: Wenn die alle miteinander um einen Tisch sitzen, findet man möglicherweise neue Lösungsansätze. Als ich von den Food Councils in Amerika und Großbritannien gehört habe, dachte ich: Das könnte ein Weg sein, wie man diese verschiedenen Akteure tatsächlich auch politisch einbinden kann.

Können Sie das konkret an einem Beispiel festmachen, wo es Ihnen speziell aufgefallen ist? Wer zusammenkommen muss, damit ein Problem gelöst wird?

Wir haben in Berlin die Schulverpflegung umgestellt. Das ist eine großartige Innovation und die Schulverwaltung ist diesen Weg mutig mitgegangen. Wir geben jetzt einen Preis vor und die Schulen können dann über das Kriterium der Qualität entscheiden. Das ist einzigartig in Deutschland. Das macht nur Berlin so.

Sie sagen den Preis und der Dienstleister sagt, was er dafür bietet?

Genau. Wir geben 3,20 Euro für ein Schul- essen vor. Der mit dem besten Leistungsange- bot bekommt den Zuschlag. Dadurch gibt es nicht diese Abwärtsspirale, das billigste Essen anbieten zu müssen, sondern ich habe diesen Festpreis und kriege dafür die beste Qualität, die zu diesem Preis möglich ist.

Das hört sich eher unproblematisch an.

Das Problem ist: Wir schreiben DGE-Standards aus (Deutsche Gesellschaft für Ernährung). Regionalität ist nicht Teil dieser Standards, in Berlin legen wir aber großen Wert auf regionale Lebensmittel. Die Caterer und Köche mussten sich also in Brandenburg Ansprechpartner suchen. Wir haben sie deshalb mit dem Förderverein ökologischer Landwirtschaft „pro agro“ (Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in der Region Brandenburg-Berlin) zusammengebracht.

Jetzt sind Koch und Produzent also mit­ einander vernetzt ...

Und schon wartet die nächste Herausforderung: Die Caterer brauchen in der Regel nicht nur das Produkt, sondern konfektionierte Nahrungsmittel. Nehmen wir das Beispiel Kartoffeln: Da hilft es dem Caterer nicht, schöne regionale Kartoffeln geliefert zu bekommen: Er braucht sie mal geschält, mal tiefgekühlt oder schon zu Pommes Frites verarbeitet. Also muss es entsprechende Unternehmen, Investoren und Fachleute geben. Da steckt ein ganzer Wirtschaftszweig hinter. Deshalb ist auch die Wirtschaftsverwaltung dabei. Das ist genau die Idee, die beim Rat für gutes Essen dahintersteckt: Wir bringen alle an einen Tisch. Dadurch schaffen wir hoffentlich ein Klima für Innovationen und deren schnelle Umsetzung.

Sie haben 30 Verbände und Organisationen mit an den Tisch gebracht. Kannten Sie diese alle schon?

Ich hatte mit allen Berührungspunkte. Wahrscheinlich hätte ich auch noch mehr zusammenbringen können, die Zahl und Zusammensetzung der Teilnehmer ist aber nicht in Stein gemeißelt.

Rat für gutes Essen – was ist gutes Essen? Für den einen ist das der Schweinebraten und für den anderen ein vegetarisches Risotto.

Genau das zeigt doch die ganze Bandbreite von Ernährung! Dazu kommen Fragen wie: Ist Essen gut, wenn es gesund ist? Ist es gut, wenn es fair, nachhaltig und umweltschonend produziert wurde? Und wie berücksichtigt man das ganze Thema Essen als Kulturgut? Sie sehen, es gibt viele Aspekte – das soll der Name auch implizieren.

Sie setzen keine Grenzen und enge Rahmen?

Nein, und das ist für mich auch ein wichtiger Punkt. Wir haben den Rat initiiert und Akteure aus fünf Sparten zusammengebracht: Hersteller, Handel, Wissenschaft, Verwaltung und natürlich die Verbraucher. Das heißt: Am Tisch sitzen zum Beispiel der Bauernbund, Bauernverband, aber auch die FÖL (Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg), die IHK, die Metro, der Handelsverband Berlin-Brandenburg, Vertreter der Fachmesse Next Organic und von Slow Food oder das Netzwerk Cooks Connection. Die weitere Entwicklung liegt in der Hand des Rates.

Also spielten Größe und Einfluss vorrangig kaum ein Rolle?

Wir wollen eine gute Mischung als Spiegel der verschiedenen Marktteilnehmer. Deshalb ist zum Beispiel der Jungfleischer von Kumpel und Keule dabei, weil er einen ganz anderen Denkansatz einbringt. Das ist keine Frage von Größe. Aber ohne die „Großen“ wie IHK, HBB oder Metro geht es natürlich nicht. Ein Wunsch der ersten Runde war, für das nächste Mal auch Dehoga, Handwerkskammern und die Innungen wie Fleischerei und Bäckerei dabeizuhaben.

Die kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen ist aktuell ein Thema. Das läuft ja gerade mehr oder weniger anarchistisch?

Jein! Hier muss man die verschiedenen Aspekte unterscheiden. Sie haben zum einen die Urform des Urban Gardenings: die Kleingärten. Im Kleingartengesetz ist durchaus genau geregelt, wie groß der Anteil der Nutzfläche auf einer Parzelle sein muss. Als Nächstes haben Sie die Frage, wie Berlin bestehende Grünflächen nutzen kann. Also: Wie kommt eine essbare Stadt zustande und kann man das irgendwie zentral unterstützen? Wollen wir das überhaupt? Was sind die Vor- und Nachteile? Doch das wichtige Thema an dieser Stelle ist der Wohnungsbau. Da besteht eine sogenannte Flächenkonkurrenz. Klar müssen wir als wachsende Stadt viele neue Wohnungen bauen. Aber auch deren Bewohner brauchen Erholungsflächen oder wollen das Erlebnis von Selbstversorgung haben. Mir ist es wichtig, die Stadt erlebbar zu machen. Da wo auch die Städter am Obst und Gemüse nahe dran sind.

Sie gehen jetzt nicht davon aus, dass sich je­ der auf dem Dach ein Gärtchen pflanzt oder auf dem Balkon plötzlich Weizen anbaut?

(Lacht) Nein! Aber wenn Kinder auf dem Balkon eine Tomatenpflanze hätten, wäre das schon schick! Dazu müssen sie aber erstmal einen Balkon haben. Die Häuser sollten dann auch so auseinander gebaut sein, dass der Balkon nicht permanent verschattet ist. Die Tomate ist zwar ein Nachtschattengewächs, braucht aber trotzdem Sonne.

Die Verbraucherschützerin redet mit der Stadtentwicklung?

Es hängt doch auch alles miteinander zusammen. Wir sind alle Verbraucher und das gleich in mehreren Dimensionen. Ob als Mieter, Kunde im Möbelladen oder Gast im Restaurant: Als Verbraucher bestimmen Sie den Markt durch Ihr Verhalten mit. Sie haben Einfluss, deshalb ist es wichtig, dass Verbraucher sich darüber Gedanken machen, was sie konsumieren. Kaufe ich drei billige Produkte oder nur ein teures? Und ist das teure Produkt dann auch tatsächlich hochwertiger als die drei billigen oder einfach nur teurer? Und brauche ich das Ganze überhaupt?

Thema Geldbeutel und Logik des Marktes: Warum sind die spanischen Tomaten günstiger als die deutschen?

Sie haben in Spanien eine ganz andere – sprich niedrigere – Lohnstruktur. Außerdem lassen sich in Spanien Tomaten mit weniger Energiekosten anbauen. In Deutschland können Sie Tomaten nämlich nur eine gewisse Zeit tatsächlich auf dem Freiland ziehen. Der überwiegende Teil stammt aus dem Gewächshaus. Dazu kommen unterschiedliche Qualitätskriterien. Bodenpreise spielen eine Rolle. Die Pacht hier ist höher als in Spanien. So kommt eines zum anderen. Da fallen die Transportkosten dann kaum noch ins Gewicht.

Was ist dann der Vorteil von Regionalität?

Regionalität schafft Arbeitsplätze vor Ort und sichert Existenzen. Und Regionalität schafft Transparenz: Verbraucher können sich direkt vor Ort über ein Produkt und dessen Herstellung informieren. Wenn ihm daran etwas nicht gefällt, kann er besser und direkter Einfluss nehmen. Das finde ich als Verbraucherschutz- Politikerin eine gute Sache.

Interview: Eva-Maria Hilker and Ramonda Madarati, Foto: Pia Negri


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