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Russendisko

Susanne Bormann | „In Bewegung bleiben“

       23. März 2012       

Die Leidenschaft zur Schauspielerei entdeckte sie früh. Mit acht Jahren spielte Susanne Bormann in Michael Gwisdeks Film „Treffen in Travers“, mit sechzehn Jahren erhielt sie für ihre Rolle im Film „Abgefahren“ den Adolf-Grimme-Preis. Es folgten unzählige Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen. In der Bäckerei Alpenstück sprachen wir mit der Susanne Bormann über ihren verspäteten Berufswunsch und anstehende Projekte.

Sie sind in Kleinmachnow geboren. Hat das heutige Kleinmachnow überhaupt noch etwas mit dem von früher zu tun?

Begrenzt. Die Einwohnerzahl hat sich mindestens verdoppelt, wenn nicht verdreifacht. Es leben jetzt andere Menschen dort. Es gab viele Rückübertragungsansprüche auf die dortigen Grundstücke und dadurch eine hohe Fluktuation. Meine Eltern leben noch dort, nicht mehr in unserem ursprünglichen Haus, da mussten wir auch raus, aber es gab ein Baugebiet, wo die Leute, die von den Eigentumsansprüchen betroffen waren, ein Grundstück erwerben und bebauen konnten. Da wohnen meine Eltern jetzt immer noch. So richtig mein zu Hause ist es aber nicht. Zu dem Haus, in dem ich achtzehn Jahre lang aufgewachsen bin, hab ich mich ehrlich gesagt noch nicht wieder hin getraut. Es ist immer noch komisch.

Wurde Ihnen dadurch ein Stück Heimat genommen?

Ja, total. Es war wirklich hart. Vor allem weil es nicht nur ein Stück Heimat ist, sondern Kindheit.

Sie haben zwar schon sehr früh Schauspielerfahrung gesammelt, aber beruflich wollten Sie etwas ganz anderes machen: Sie wollten Physiotherapeutin werden.

Mir war zwar schon immer klar, dass mir die Schauspielerei sehr wichtig ist, aber gerade weil sie mir so viel bedeutet, wollte ich mir weiterhin die Projekte aussuchen können, die mir am Herzen liegen und nicht nur einfach Geld damit verdienen. Ich wollte die Schauspielerei zunächst nicht hauptberuflich betreiben. Aber irgendwann ist mir klar geworden, dass das so nicht funktioniert. Denn in dem Moment, wo eine Anfrage kommt, muss man flexibel und über einen längeren Zeitraum verfügbar sein. Mit dem Beruf der Physiotherapie hätte sich das nicht vereinbaren lassen.

Kommen die Leute mit ihren Angeboten eigentlich auf Sie zu, läuft das über die Agentur oder versuchen Sie aktiv Kontakte zu knüpfen, um so an Projekte heranzukommen?

Wenn ein Film gemacht wird, beauftragt die Produktionsfirma eine Casting-Agentur und die arrangiert und organisiert, wer zu welcher Rolle passen würde und ruft daraufhin bei den Agenturen an. Eigeninitiative zu ergreifen ist eher schwierig. Dennoch ist es kann es nicht schaden ein Netzwerk von Kontakten zu knüpfen, beispielsweise auf Empfängen. Gut ist es auch, präsent zu sein und in Bewegung zu bleiben. Letztes Jahr, in einer Zeit in der ich nicht so viel zu tun hatte, entstand gemeinsam mit meiner Freundin Anne Schneider die Idee, ein eigenes Theaterstück auf die Beine zu stellen. Jetzt sind wir sechs Schauspieler und proben „Atropa“ von Tom Lanoye. Darin geht es um Strategien und Rechtfertigungen von moderner Kriegsführung, erzählt wird das Stück anhand des Trojanischen Krieges. Die Premiere ist am 2. Mai im Theaterdiscounter.

Gibt es eigentlich eine Berliner Clique an Schauspielern?

Sicherlich gibt es mehrere Cliquen. Ich freue mich immer sehr, bestimmte Leute auf Veranstaltungen oder bei Drehs zu treffen. Sonst ist mein Freundeskreis eher außerhalb der Schauspielerei. Aber ich schätze das kollegiale Verhältnis unter den Schauspielerinnen meiner Generation sehr.

Berlin ist erstaunlich. Hier entwickeln sich immer wieder Vernetzungen. Man arbeitet nicht gegeneinander, sondern miteinander.

Das sehe ich auch so. Es gibt viele jungen Produzenten und Regisseuren wie Dietrich Brüggemann, Christian Schwochow und Florian David Fitz, die in Eigeninitiative interessante Projekte auf die Beine stellen. Vieles entsteht über persönliche Kontakte und Zusammenhalt.

Durch ihr Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock haben Sie die Theaterschauspielerei kennen gelernt. Ist Theater eine andere Art des Spielens?

Ja und Nein. Im Gegensatz zum Film, der sich eher an der Natürlichkeit orientiert, braucht das Theater immer eine Form von Darstellung und Überhöhung, damit es trägt. Wenn man auf der Bühne genauso naturalistisch spielen würde wie im Film, dann würde das unten, also im Zuschauerraum kaum ankommen.

In ihrer Diplomarbeit befasst du dich mit dem Gedanken, dass Wandlungsfähigkeit heute nicht mehr so gefragt ist wie die Persönlichkeit des Schauspielers. Gilt das auch für das Theater?

Generell ist die Persönlichkeit des Schauspielers im Theater oft gefragter. Das liegt aber auch an den Herausforderungen, die viele der modernen Stücke mit sich bringen. Da gibt es oftmals gar keine richtigen Figuren, in die man sich verwandeln könnte, sondern es handelt sich eher um Textflächen, die man mit einer starken Persönlichkeit bewältigen muss, um dem Text dadurch einen Ausdruck zu verleihen. Ich persönlich verwandle mich aber total gerne. Grundsätzlich ist das eine Typfrage. Es gibt Schauspieler, die ihre Rollen ihrem eigenen Charakter anpassen. Die haben einen ganz starken Wiedererkennungswert. Und es gibt Leute, die sich im Spiel dem Charakter ihrer Figur annähern.

Fühlen  Sie sich auf der Bühne und vor der Kamera gleichermaßen zu Hause?

Im Film bin ich zu Hause. Da kenne ich mich aus und weiß, was ich machen muss. Theater ist immer ein Abenteuer. Da habe ich immer wieder das Gefühl, neu anzufangen. Manchmal bin ich verblüfft, wie nah es dem filmischen Spiel ist und dann fallen mir doch ganz eklatante Unterschiede auf.

„Russendisko“ kommt in die Kinos. Was hat Sie an dem Film gereizt?

Gereizt hat mich sofort die Rolle der Hanna. Hanna ist ein außergewöhnlicher Charakter. Sie hat sich insofern etwas sehr kindliches bewahrt, als dass sie ihr Herz auf der Zunge trägt. Es gibt bei ihr keinen Unterschied zwischen ihrem Innenleben und dem, was von außen sichtbar ist. Mit unbefangener Offenheit, geht sie auf Menschen zu. Das ist etwas, was man im Erwachsenenalter oft verliert, durch Verletzungen und Zurückweisungen. Man beginnt sich zu schützen. Hanna macht das nicht und behält trotzdem ihre Würde. Davor hatte ich großen Respekt. Ich fand es wunderbar so jemanden spielen zu dürfen, da ich davor immer recht wehrhafte Menschen verkörpert habe.

Ab April sieht man Sie als Kommissarin in der Serie „Die letzte Spur“. Insgesamt gibt es sechs Folgen – ist man damit nicht mal erst auf der sicheren Seite?

Anfangs hatte ich Angst. Ich habe noch nie unter solchem Zeitdruck gearbeitet. Es gab wenige Drehtage. Man muss sich sehr gut vorbereiten, was auch nicht immer möglich war, da wir hintereinander weg gedreht haben, immer zwei Folgen parallel. Ich habe mir Listen gemacht, um den Überblick zu behalten und zu wissen, wann was passiert und von wem ich welche Informationen erhalte.

Wie gefällt Ihnen das Ergebnis?

Ich finde die Serie sehr hochwertig. Anfangs habe ich mich wirklich gefragt, ob man in der Kürze der Zeit Qualität produzieren und ich meinem eigenen Anspruch gerecht werden kann. Das Potenzial hätte vielleicht noch mehr ausgeschöpft werden können, wenn mehr Zeit gewesen wäre. Aber ich bin vom Ergebnis sehr positiv überrascht, zumal wir Schauspieler nicht miteinander gecastet wurden. Man hatte uns aus den unterschiedlichen Castings zusammengeschnitten, ohne dass wir uns persönlich begegnet sind. Das ist ein bisschen, wie die Katze im Sack zu kaufen, es kann ja sein, dass man sich mit seinen Schauspiel-Kollegen gar nicht versteht. Da ich aber die Regisseurin Judith Kennel bereits von einem Tatort-Dreh kannte, habe ich ihrer Entscheidung vertraut und das hat sich absolut ausgezahlt.

Die Entscheidung für die Rolle stand also auf der Kippe. Ist das Ablehnen eines Angebots nicht immer auch eine existentielle Frage?

Klar, so macht es das Leben natürlich leichter. Ich habe mich aber auch schon einmal für ein Jahr eingeschränkt und von wenig Geld gelebt, weil ich nicht alles drehen wollte, was mir angeboten wurde. Aber am Ende des Tages kann es natürlich jedem Schauspieler passieren, dass er etwas dreht, was er lieber keinem erzählen möchte. Aber das war bei mir zum Glück nicht viel.

Gibt es eine Traumrolle?

Ich würde mich freuen, auch international zu arbeiten. Ich fände es toll, in Fremdsprachen zu drehen. Denn der ungewohnte Gestus gibt einem die Möglichkeit zu einer anderen Form der Verwandlung. Man kann sich wirklich frei machen von seiner Sozialisation, die natürlich immer mit der Sprache verhaftet ist. Im Deutschen werde ich mich wahrscheinlich nie so weit von mir entfernen können wie in einer anderen Sprache. Allein durch einen neuen Dialekt, ergibt sich etwas anderes. Als ich in „Mörderischer Frieden“ eine Serbin gespielt habe, fand ich es erstaunlich, zu merken, wie sich durch den serbischen Akzent der ganze Habitus verändert.Toll ist es natürlich auch, mit dem Drehen um die Welt zu kommen. Bosnien beispielsweise, der zweimonatige Dreh in Sarajevo, war eine außergewöhnliche Erfahrung für mich. Man lernt das Land auf eine Art kennen, die einem als Tourist – wenn man überhaupt dorthin reisen würde – verwehrt bliebe.                                                      

(interview: amd & emh,; fotos: Esther Suave/HiPi)

 

 


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