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Freizeit

It-Rad statt It-Bag | Modische Fahrräder

       30. April 2013       

Fahrräder sind die neuen Lieblingsaccessoires von Modefreunden.

In seinem Coffee Shop riecht es nach feinstem Espresso aus einer Maschine, die nach oben dampft und damit den Blick auf ein außergewöhnliches Accessoire lenkt. Nick Carnevale hat ein rotes Fahrrad über seinen Tresen platziert. Das gute Stück stammt aus den späten 70er Jahren. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, irgendwo ohne Fahrrad hinzufahren“, sagt der New Yorker Gastronom, der mit dem Hersteller des Rads nicht nur zufällig den Nachnamen, sondern auch die Liebe zum Objekt teilt.

 

Mit seiner Begeisterung für Fahrräder befindet sich der Besitzer des Gasoline Alley Coffee in direkter Nachbarschaft zum Meat Packing District in guter und vor allem ziemlich großer Gesellschaft, denn in New York fahren eine halbe Million Menschen regelmäßig mit dem Rad. In London hat sich die Zahl der Bicyclists in wenigen Jahren verdoppelt und in Stockholm müssen die Radwege wegen Überfüllung ausgebaut werden. Von der Freude am Fahren profitieren junge, coole Marken, die oft in Metropolen wie Amsterdam oder Danzig entstehen und von einem designaffinen Publikum nicht nur positiv wahrgenommen, sondern auch global gekauft werden. Der Drahtesel muss dabei aber noch ganz andere Vorgaben entsprechen als Funktionalität: Auffällig, formschön und bitte trendy soll das Fortbewegungmittel sein, wie berühmte It-Bags ist es längst Statussymbol und Modeaccessoire. Und das lassen sich die Fahradliebhaber einiges kosten.

 

Mit Hingabe, oft mit Handarbeit und immer mit der Hoffnung auf den Durchstart aus der Nische schaffen Kreative wie Mike Glaser und Robin Homolac mit Designpreisen ausgezeichnete Räder oder solche, die dies verdient hätten. Die beiden Fahrradenthusiasten gründeten die Marke „Urbike“ als Quereinsteiger und –denker. Robin Homolac hatte vor fünf Jahren sein Rennrad umbauen wollen und bei der Suche nach passenden Teilen jeweils die gewünschte Farbgebung vermisst. Fündig wurde er unpraktischerweise nur in Asien und Amerika. Das Fahrrad als Modeaccessoire, farblich und stilistisch passend abgestimmt aufs Outfit -

der Betriebswirt erkannte die Marktlücke und erfand mit dem Werber Mike Glaser ein Label für Fahrräder, deren Einzelteile frei kombinierbar zusammengestellt werden können. Der Kunde von „Urbike“ sollte jedes Teil einzeln aus einem großen Portfolio auswählen können. "Im Grunde genommen war Swatch unser Vorbild: gutes Design, individualisierbar, jeder konnte sie tragen - vom Arbeiter bis zum Vorstandsvorsitzenden.“ beschreibt Mike Glaser die Grundidee seiner Marke.

 

Vielleicht sogar noch etwas knallfarbener sind die Räder von Create Bike aus London, die es unter anderem in gelb, neongrün oder orange gibt. Bei der Formgebung setzt das Designteam auf kompromisslosen, die Farbgebung eher noch unterstreichenden Purismus. Die Technik basiert auf alten Werten, nämlich denen der New Yorker Fahrradkuriere, die wiederum bei den Bahnrennfahrern abgeschaut haben. Beim Umschalten vom klassischen Freilauf in Fixed-Gear werden Tretkurbel und Hinterrad fest über die Kette verbunden und dabei sowohl die Gangschaltung als auch die Rücktrittbremse ausgeschaltet. Die sogenannten Fixies lassen den schnell getakteten Fahrer mit Tempo und Dynamik dem Rhythmus der Großstadt adäquat folgen.

 

Den Fahrern von Hollandrädern geht es weniger um Tempo und mehr um die Aussage, nicht von Trends abhängig zu sein. Das heißt bei analytischer Betrachtung jedoch nicht, dass es keine Trends gibt. Der Anspruch von Taco und Ties Carlier an ihre mit dem Dutch Design Award gekrönte Marke Vanmoof war es, die üblichen Modelle von überflüssigen Gadgets zu befreien. „No-Nonsense“ nennen die Brüder die Herangehensweise an ihre Modelle, die nichts „mit Status oder Einkommen zu tun habe“. Dafür mit puristischem Style und witzigen Namen wie „Sexy Waitress“ für einen Gepäckträger.

 

In Berlin sieht man oft die Modelle der ältesten holländischen Kultmarke „Gazelle“. Wegen seiner Schwere ist es ungeeignet für den Transport in der U-Bahn, aber der robuste klassische schwarze Rahmen und die klare Gesamtanmutung helfen bei der Abstrahlung des gewünschten Understatements. Ganz in schwarz passt sowieso immer, auch beim klassischen Rennrad. Die dänische Schmuckdesignerin und Wahlberlinerin Zofie Angelic besitzt ein „schnelles“ Bike von Triumph, welches sie liebevoll „Black Beauty“ nennt.

 

Die dritte große Gruppe in der Unterteilung nach Design bilden Räder im Vintage Style. Das Züricher Unternehmen Fretsche versteht sich als high-end recycler von Vintage Bikes. Einem Modell aus dem Jahr 2008 gab man den schönen Namen „Bubentraum“. Nicht ganz authentisch, aber der Vergangenheit nachempfunden ist das Modell „Caferacer Lady Doppio“ der Danziger Firma Creme Cycles. Mit Sattel und Griffen aus Leder adaptiert man in Polen den Stil der Transporträder der 50er und 60er Jahre.

 

Dem Retro-Trend folgen auch die Teilnehmer der Tweed Runs, die der Freiberufler und Art Director Ted Young-Ing erstmalig im Jahr 2009 in London etabliert hat. Hier geht es um ganze Vintage Welten, denn wichtig ist nicht nur ein altes Fahrrad von Marken wie Dick Power oder Schwinn, sondern vor allem das passende Outfit. Mit der Vorgabe „No lycra“ tragen Tweed Runners Fahrradhosen von B. Spoke Taylor, Tweed Jackets und Pullover aus Merinowolle.

 

Komplette Designwelten rund um das Rad dürften die Zukunft sein. Im Portal Trendwizzard.de vertreibt der Gründer Thomas Lang zuversichtlich nicht nur Bikes, sondern auch stylische Bicycle Jeans von Osloh, weil der „Bedarf an trendigen Bikes und Lifestyle-Produkten rund ums Bike noch viel mehr ansteigen wird“.

 

Sieht ganz so aus! Und ganz ehrlich: eigentlich sollte man sich doch gleich zwei Fahrräder anschaffen! Eines für das Understatement und eines für positive Energie an grauen Ttagen.

 

(sf)

 


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