24.05.2017

Immer frisch serviert!

Neues aus der Gastroszene.

Der EssPress im Jahresabo,

12 Ausgaben zu 42 €!

Einfach  Button klicken.

07.01.2017

Immer frisch serviert!

Neues aus der Gastroszene.

Der EssPress im Jahresabo,

12 Ausagen zu 42 €!

Einfach  Button klicken.

07.01.2017

Aufstieg

Steil in die Höhe | Sängerin Louise Gold

       24. Juli 2013       

Sie liebt den Swing und das Abenteuer. In ihre Songtexte lässt die Sängerin Louise Gold oft persönliche Erfahrungen einfließen, die sie gern beim Wandern und Bergsteigen in den Alpen sammelt. Für uns stellte sie sich einer ganz neuen Herausforderung: eine Klettertour am Friedrichshainer Kegel auf dem RAW-Gelände.

Alle Aktivitäten, bei denen ich mich in irgendeiner Form mit einer Naturgewalt messen kann, ziehen mich magisch an. Surfen, Reiten, Bergsteigen. Ich bin in keiner besonders gut. Doch mir geht es darum, mich mit meinem Körper auf etwas einzulassen, das ich nur bedingt kontrollieren kann. Wenn etwas aussieht, als würde es Spaß machen, mir aber gleichzeitig Angst macht, will ich es meistens unbedingt versuchen.


Beim Bergsteigen in den Alpen kommt für mich noch eine andere Qualität hinzu: es macht mich total glücklich. Man nimmt nur das mit, was man wirklich braucht, man geht den ganzen Tag, ist pausenlos an der Luft und sieht die tollsten Sachen. Langsame Echtzeit. In den Bergen muss ich mich nicht mit Dingen wie Busfahrplänen, Bankautomaten, Straßenverkehr oder Einkaufen beschäftigen.


Wichtig ist, auch dann noch weiterzugehen, wenn einem alles wehtut, immer noch ein bisschen höher zu gehen, obwohl man schlechter Luft bekommt, das Herz zu rasen beginnt.
Ich habe festgestellt, dass das Leben spannender ist, wenn man es nicht nur als profanes Haushaltsgut betrachtet. Und weil ich noch nie mit Seil am Fels geklettert bin, zögere ich nicht, als das die Redaktion mir eine Klettertour auf den Berliner „Kegel“ vorschlägt.


Otto und Sven, die beiden Jungs, die mich beim Aufstieg sichern und mir zur Seite stehen, sind vertrauenseinflößend kräftig und sehr entspannt. Die ersten zehn Meter komme ich problemlos rauf. Man muss ein bisschen nach Haltepunkten suchen, denn sie befinden sich nicht immer dort, wo man sich das gerade wünscht.

Schnell wird mir klar, dass das am realen Fels ja noch weniger der Fall ist. Meine Unterarme beginnen zu krampfen, ich komme an einen Vorsprung, über den ich nicht sehen kann, aber greifen muss. Ich greife – doch da ist nichts. Langsam stellt sich eine Panik ein. Ich weiß zwar, ich kann mich fallen lassen und Otto würde mich oben am Seil halten, aber dennoch: Weiß ich das wirklich?
Irgendwann lasse ich los, ohne es zu wollen. Siehe da, er hält mich und ich hänge frei. Ein merkwürdiges Gefühl. Ich will runter. Aber ich gehe weiter. Ich schaffe es, über den Vorsprung zu greifen, und ziehe mich zittrig hoch auf die Schräge zur Spitze.


Es geht um Vertrauen. Es geht um Klarheit. Um Intelligenz auch. Und man sollte nicht hinuntersehen, während man raufklettert. Ist nicht motivierend.
Ich erinnere mich an eine Situation an der Civetta in den Dolomiten. Ich war auf dem Weg zur nächsten Hütte vom Pfad abgekommen. Der Schnee hatte den auf der Karte eingezeichneten Weg überdeckt und es gab plötzlich zwei Spurungen. Ich konnte mich also nur für eine entscheiden und schauen, wohin sie mich führen würde.


Meine Intuition sagte mir nach einer halben Stunde, dass etwas nicht stimmt, aber ich war zu faul umzukehren. Der Weg war schmal, und rechts ging es 2300 Meter steil bergab. Ich hatte schlechten Tritt auf glitschigem Eis. Dann schoss vor meinen Augen in 100 Meter Entfernung eine Steinlawine herunter. Ich hockte mich reflexartig hin und starrte einige Minuten wie blöd in die Gegend. Ich konnte mich nicht mehr von Fleck bewegen und begann zu heulen. Die Vorstellung zurückzugehen machte mir plötzlich genauso viel Angst wie weiter geradeaus zu gehen.
Was kommen konnte: die Hütte, also Sicherheit. Zurück hieß: wieder der schmale Schneeweg. Ich war erschöpft und ich musste den richtigen Pfad zur Hütte finden. Es war schon relativ spät. Viele dieser schwierigen Situationen mutieren im Kopf, wenn man die Phantasie dann frei flottieren lässt.


In den Dolomiten war ich nicht allein und das war meine Rettung. Meine Begleitung beharrte darauf, den Rückweg zu nehmen, und es stellte sich später heraus, dass wir auf den Schneeschuhweg hinauf zum Gipfel geraten waren. Solche Erfahrungen macht man des Öfteren in den Bergen. Diese Momente können beängstigend sein und sie erfordern, schnell sinnvolle Lösungen zu finden. Das alles geht mir in Fragmenten durch den Kopf, während ich den Kegel erklimme.


Endlich auf dem Gipfel. Ich sitze mit Sven und Otto auf der Spitze des Kegels. Wir reden über den kommenden Sommer in Berlin und freuen uns über den feinen Wind und die Sonne. Ich gucke runter und wünsche mir sehr, bereits unten zu sein. „Hoch ist die Kür, runter ist die Pflicht“, sagt Otto. Ich reiße mich zusammen und gehe mit den Jungs den Rückweg an.

Im richtigen Leben ist unsere Autorin die Sängerin und Songschreiberin des Quintetts Louise Gold & The Quarz Orchestra. Auf ihrem im April erschienenen Album „Debut“ hat die Band den Jazz- und Swingsound der 40er und 50er Jahre gründlich entstaubt und souverän modernisiert.

Der Kegel  Revaler Str. 99, Berlin-Friedrichshain, Tel. +49 30 66 76 68 37, www.derkegel.de, U+S-Bhf. Warschauer Straße, Mo 14-23 Uhr, Di-So u. Feiert. 10-23 Uhr

 

Den ganzen Text und viele weitere Themen rund um den Berliner Sommer gibt es in der tip Sonderedition Sommer in Berlin, für 7,90 € am Kiosk.
Für den tip produziert das Hilker Medienbüro seit mehr als zwei Jahren die „Speisekarte“, außerdem gastronomische Inhalte, viele Booklets und Specials zu unterschiedlichen Themen und Anlässen. www.tip-berlin.de


Bewertung abgeben
 

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisiertem Spam vorzubeugen.
4 + 2 =
Das einfache mathematische Problem ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben. Z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegebene werden.