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Istanbul Booklet

Das Museum der Unschuld | Ein Ort für die Dinge und für die Phantasie

       22. Oktober 2013       

Schriftsteller Orhan Pamuk hat in Istanbul ein Museum rund um einen Roman aufgebaut.

Im Stadtteil Cucurcuma, einem Teil von Beyoglu, eröffnete der sprachgewaltige Autor Orhan Pamuk vor zwei Jahren das weltweit erste und wahrscheinlich einzige Museum, das um einen Roman gestrickt ist: Das Museum der Unschuld. Oder ist der Roman nach der Idee des Museums entstanden? Im Roman geht es um einen Mann, der sich im Istanbul, genauer gesagt im Cucurcuma der 60er und 70er Jahre in ein junges Mädchen verliebt. Weil er aber bereits mit einer anderen verlobt ist, ist die Geschichte prädestiniert für ein tragisches Ende. Im Zuge seiner unglücklichen Verliebtheit fängt die Romanfigur Kemal an, Gegenstände zu sammeln, die mit seiner Geliebten Füsun zu tun haben, Alltagsgegenstände aus der Wohnung ihrer Eltern, Zigarrenstummel oder leere Getränkedosen, die sie berührt hat. Während der Arbeit am Roman sammelte nun auch Orhan Pamuk zahlreiche Gegenstände, die für ihn die Zeit, in der sein Buch spielt erfahrbar werden lassen. Das sind Gegenstände aus seinem persönlichen Umfeld aber auch Dinge, die er in Antik-Shops und Second Hand Läden gesammelt hat. Man muss dazu sagen, dass Cucurcuma, das Viertel in dem das Buch spielt und das Museum nun steht, ein Zentrum für Antiquitätenläden ist. Rundherum im den kleinen Gassen sollte man später, inspiriert vom Museum, noch eine Runde auf Schatzsuche gehen.

Im Museum sind 83 einzelne Schaukästen mit Gegenständen ausgestellt. Anhand der Objekte wird die Geschichte des Buches erfahrbar, denn jeder Kasten steht für ein Kapitel. So entdeckt man hier natürlich den Ohrring, den Füsun bei einer ihrer ersten Begegnungen mit Kemal verliert. Oder das Kleid, in dem sie Fahrstunden nimmt, und sich weigert, den Prüfer zu bestechen, sodass sie letztendlich mehrmals durch die Prüfung fällt. Spätestens hier ist man verzaubert und rettungslos verstrickt in Pamuks Gedanken- und Objekt-Verwirrspiel. Fragt man sich nämlich noch am Anfang, ob es nicht ein wenig naiv ist, einfach Gegensände auszustellen, mit denen man eine Romangeschichte illustriert, kann man sich deren Zauber doch nicht entziehen. Pamuk macht die Welt, die er in seinem Kopf erschaffen hat, und die sich trotzdem auf das Istanbul, das er selbst erlebt hat bezieht, für den Leser und Besucher begehbar.

Je höher hinauf man im dreistöckigen Museum steigt, desto ununterscheidbarer werden hier Begriffe wie Authentizität, und Phantasie, historische Zeit und erzählte Zeit. Das Museum soll nämlich das tatsächliche Haus sein, in dem Füsun aufgewachsen ist, im obersten Stock befindet sich ihr ehemaliges Kinderzimmer. In dieses, soviel sei aus der Romanhandlung verraten, zieht sich Kemal am Ende des Buches zurück und plant die Errichtung eines Museums, in dem er die Gegenstände ausstellen will. Außerdem beauftragt er den Schriftsteller, Orhan Pamuk, das Buch zu schreiben. An der Rückwand des Raumes hängen dann bereits die ersten Seiten, die Pamuk handschriftlich mit dem Anfang des Romans beschrieben hat. Hier schließt sich der Kreis und es ist letztendlich auch gar nicht mehr wichtig, wo die Phantasie anfängt und die Realität oder Authentizität aufhört.  

(azi)

Masumiyet Müzesi, Çukurcuma Caddesi, Dalgıç Çıkmazı, 2, Beyoğlu, Tel. + 90 21 22 52 97 38, www.masumiyetmuzesi.org

 

Mehr Infos zu Istanbuls Kunstszene gibt es in unserem neuen Istanbul Booklet zum Download, einfach am oberen Websitenrand auf den Banner klicken!


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