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Theaterpremiere

Das Kapital der Tränen | Occu-Cry Witzigkeit!

       28. September 2012       

Sentimentalität sells – das wussten schon Lessing und Co. In dem Stück „Das Kapital der Tränen“ wird mit Tränen gegen das Heulen gekämpft.

Das Publikum konnte sich vor Lachen kaum auf den Stühlen halten. Ein voller Erfolg für Vanessa Stern und ihre fünf Kolleginnen. In dem Stück „Das Kapital der Tränen“ kreischen, jaulen und heulen sie was das Zeug hält – aus Protest gegen die unzähligen Heulsusen auf den Theaterbühnen, Kinoleinwänden und im Fernsehen.

Dass auf der Bühne Frauen in der Opferrolle zur Tagesordnung gehören, wissen vor allem Schauspielerinnen aus eigener Erfahrung. „Man braucht nur mal den Fernseher anschalten und schon sieht man überall Frauen, die in Tränen ausbrechen. Und das Schlimme ist, dass diese Stigmatisierung der Weiblichkeit niemandem auffällt. Ich will dafür ein Bewusstsein schaffen“, meint Vanessa Stern.

Sie ist nicht nur die Autorin des Stücks, sondern führte auch Regie und stand mit auf der Bühne. In Lederjacke und kniehohen Stiefeln mimt sie die Anführerin einer sechsköpfigen Frauentruppe, allesamt erfahrene Schauspielerinnen, deren eigene „Heulbiografien“ Thema des Stücks sind. Die Bühne ist ihr Protestcamp – Schlafsack, Hängematte, Campingkocher und Megaphon gehören zur Ausstattung. Hier trainieren die Frauen für den Widerstand und planen gemeinsame Heulaktion im öffentlichen Raum. „Heulen erzeugt Sympathie, aber wenn im Kollektiv geheult wird, funktioniert diese Masche nicht mehr. Deswegen machen wir diese Aktionen – verstehst du? Das ist politisch!“, erklärt eine schwangere Schauspielerin per Megafon ihrem ungeborenen Kind. Ein Brüller, findet zumindest das bei der Premiere von „Das Kapital der Tränen“ anwesende Publikum.

Sehr zur Freude der Regisseurin Vanessa Sterns, die der Überzeugung ist, „es gibt viel zu wenige komische Frauenrollen“. Aus diesem Grund hat sie sogar 2010 das „Krisenzentrum für weibliche Komik“ an der UdK eröffnet. Hier können Frauen das Lustigsein in Workshops erlernen. „Mir geht es nicht darum, das Weinen an sich zu kritisieren, sondern um die Selbstermächtigung der Frauen. Und Komik ist eine intellektuelle Form der Krisenbewältigung und Selbstermächtigung“, sagt sie. Deswegen meint Stern es ernst mit ihrem Kampf gegen das ewige Geheule „all der verlassen Gretchens und geopferten Emilias“.

Auch die Heulaktionen, von denen im Stück berichtet wird, hat die Frauentruppe tatsächlich durchgeführt. „Wir wollten uns nicht nur vorstellen was passiert, wenn wir als Gruppe im H&M oder an Schaltern der Sparkasse Tränen in ausbrechen. Wir wollten es erleben.“ Neben den Heulbiografien der Schauspielerinnen sind sowohl die Planung der Aktionen als auch die Erfahrungen bei der Durchführung Thema der Inszenierung.

„Das Stück ist ein Hybrid aus realen Erfahrung und der Utopie, dass sich alle Frauen solidarisieren und den Klischeerollen einen Riegel vorschieben“, so Vanessa Stern. Schade nur, dass in der ausgeteilten Informationsbroschüre die Vorarbeit zum Stück mit kein Wort erwähnt wird. Das macht die auf der Bühne nacherzählten Reaktionen der Kaufhauskunden und Bankangestellten nur halb so lustig.

(nas)

 

„Das Kapital der Tränen“ in den Sophiensälen, Sophienstraße 18, Berlin-Mitte, www.sophiensaele.com, Aufführungen: 30. September + 1. - 3. Oktober um 20 Uhr, Eintritt 13 €, ermäßigt 8 €


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